Spaziergang am Verdon

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Kommentare

  • Hört sich gut an! :thumbs:

    Ausrüstungsgegenstände hab ich alles bis auf Achter sollte aber nicht das Problem sein.

    Schau ma mal würde der Franz sagen. :roll:
    Na dann lassen wir's mal krachen :D

    Achter / ATC ist kein Problem, bringe ich mit. Hab auch ein leichtes 30 m Statikseil, das reicht für unsere Aktion.

    Wie sieht das mit dem Mt. Blanc aus, hast du mal Ausrüstungsliste in dem Tourenführer, den ich dir gemailt habe angeschaut. Bis auf Stöcke habe ich alles, ich geh eh lieber ohne und hab die Hände frei.

    Ich würde den Gletscher schon lieber als Seilschaft gehen, der Rest ist aus meiner Sicht auch solo OK.

    Captn
  • Hab mir die Liste angeschaut und sollte bis zum Aufstieg alles haben.

    Wollte schon immer einen Eispickel haben (kann ihn mir aber auch beim Alpenverien ausleihen).

    Wo kein Kläger, da kein Richter!

  • Man...ich bin ich neidisch auf euch Jungs! Wird bestimmt ne Hammer Tour :thumbs:
    "Ja, ein unverwundbares, unbegrabbares ist an mir, ein felsensprengendes: das heißt mein Wille"
      Nietzsche
  • sodele, da issa wieda auf deutschem boden :D

    aber leider wird das mit mir nix werden im august :-(
    das große böse staatsexamen verhaut mich sonst ganz dolle :?
    aber ick wünsch euch viel spass bei den franzacken :joint:
    bei sorgen und problemen, könnt ihr mich gerne fragen - also sprachlichen probs vor allem!
    grüße
  • Hab mir letzten Samstag die Tour Etappe auf den mt vetou angeschaut.

    Ist laut google maps nur 87 km vom Stausee entfernt. Würde mich schon reizen dort mal mit den bike hochzutreten.
    :roll:

    Wo kein Kläger, da kein Richter!

  • Hab mir letzten Samstag die Tour Etappe auf den mt vetou angeschaut.

    Ist laut google maps nur 87 km vom Stausee entfernt. Würde mich schon reizen dort mal mit den bike hochzutreten.
    :roll:
    Hi Interceptor,

    bin gerade von Malle zurück. Hatte es sogar geschafft mir dort mal nen MTB zu leihen und bin zweimal nen 100ter gefahren. Lief ganz gut, trotz +40°.

    Also wenn ich mir da irgendwo was leihen kann, probier ich natürlich hinter dir her zu radeln :D

    Wie willst du denn überhaupt nach Frankreich kommen?
    Ich bin mir noch nicht ganz im Klaren, ob ich mit dem Auto fahre will oder lieber fliege und dort in Gap oder Nizza nen Leihauto nehme.

    Sach ma wat..

    Ciao
    Captn
  • @Captn Stardust

    Wollte mit den Auto fahren da wahrscheinlich noch ein Arbeitskollege von mir zum Mt Blanc mitkommt.
    Von mir daheim aus sind es 800km.

    Jörg mit Freundin hat den Trip fest eingeplant und muß von Hamburg anreisen haben uns aber weiter noch keine Gedanken gemacht.

    Wir telefonieren. :handy:

    Wo kein Kläger, da kein Richter!

  • So Leutz,

    die Planung steht. :thumbs:
    Der Spaß beginnt am Sonntag, dem 23.08. in Frankreich. :doppellol:

    Mit dabei ist der Interceptor und ein lieber alter Bekannter, der sich hier ein bischen rar gemacht hat.

    Weil die Fahrt zum Verdon so lang ist, machen wir erst Station in Chamonix.
    Und wenn wir schonmal dort sind, gehen wir schnell mal auf den Berg und schauen und die Alpen von oben an.

    Dann gehts weiter zum Verdon.
    Spätestens am Donnerstag machen wir den Traillauf.


    Was noch so passiert? Lasst euch einfach überraschen. :kopfwand:

    Wir werde in der Woche in Frankreich wahrscheinlich nicht online sein, ich werder aber die GPS-Logs ueber GMS/GPRS möglichst in Echtzeit an watchee schicken.
    Dort könnte ihr euch einloggen und meine aktuelle Position sowie historische Tracks sehen.
    login: cabafriend
    pw: bigbrother
    Unter meinen Namen klickt ihr auf die Palette und ihr könnt in dem Fenster eine Route auswählen und dann anzeigen lassen. Bisher ist nur eine Route gespeichert, eine Etappe einer MTB-Tour auf Malle.
    [attachment=0]watchee.jpg[/attachment]

    Captn
  • Ihr könntet ja mal ein kleines "CaBa" für uns laufen... :shock: :D :D
    Das müsste ja dann über die GPS Daten sichtbar werden... :thumbs: :thumbs:

    So wie hier:
    image

    muss ja nich sooooo groß sein... :joint: :joint:

    Wer will findet Wege, wer nicht will, der findet Ausreden

  • @caba,

    ist gar nicht so einfach wege zu finden, die so liegen, dass ein sinnvolles Bild dabei entsteht. Das Problem dürften auch schon die Nasca-Indianer vor mehr als 1000 Jahren gehabt haben, als sie die riesigen Bilder in die peruanische Wueste gemalt haben.

    Ich probier mal was.
    Vielleicht haben wir ja am Mt. Blanc Nebel ind irre dann creativ auf dem Gletscher umher :kopfwand:

    Ciao
    Captn
  • So Mädels,

    es ist so weit, die Sachen sind gepackt und wir sind unterwegs.
    Ich bin dann für eine Woche offline.

    Unsere Tracks könnt ihr hier verfolgen.

    Name: cabafriend
    PW: bigbrother

    Auf dem Berg werden wir wahrscheinlich keine GSM-Verbindung bekommen, wenn der Track dort irgendwo abbricht muss das nicht heißen, dass wir abgestürzt sind :D

    Wenn das Wetter mitspielt wollen wir am Montag auf den Berg und fahren am Dienstag oder Mittwoch weiter zum Verdon.
    Der Traillauf soll am Donnerstag in aller Frühe beginnen. Na mal sehen :thumbs:

    Wir sind :heiss: :heiss: :heiss: heiss
    Captn
  • :thumbs:
    :thumbs: :thumbs:
    :thumbs: :thumbs: :thumbs:
    :thumbs: :thumbs:
    :thumbs:

    Wer will findet Wege, wer nicht will, der findet Ausreden

  • Wir sind wieder zurück!
    Nur soviel, neben dem Traillauf am Verdon haben wir auch noch enen kleinen Höhetrip gemacht.
    Bericht, Bilder und mehr später ...

    Captn
  • Bergtraining

    Das Mt. Blanc Massiv dominiert unverkennbar das Alpenpanorama. Selbst aus mehr als 50 Kilometern Entfernung im Anflug auf Annecy ein beeindruckender Anblick. Morgen will ich dort ober stehen, gemeinsam mit Interceptor und Jörg.

    Wir treffen uns am späten Abend auf dem Campingplatz in Chamonix. Beim Grillen beraten wir, wie wir nun auf den Berg gehen wollen. Jörg ist gestern noch mal eben schnell in Sonthofen einen Bergmarathon gelaufen und lässt sich schließlich überzeugen, den sogenannten Normalweg konventionell mit Seilbahn und Trambahn anzugehen. Der Startpunkt Nid d’Aigle liegt auf 2340 Meter. Mit knapp 2500 Metern zum Gipfel bleibt noch genug um uns beim Aufstieg auszutoben.
    [attachment=6]Bild01.jpg[/attachment]
    Der Tag des Berges

    Bei strahlendem Sonnenschein stapfen wir gegen 9 Uhr von der Bergstation der Trambahn los. Das Gelände ist einfach, der Weg ist eindeutig markiert, wir laufen recht flott und überholen bereits zahlreich andere Bergwanderer. Zum trödeln haben auch keine Zeit, denn wir haben uns vorgenommen, heute den Gipfel zu erreichen und direkt wieder abzusteigen. Wenn wir die letzte Trambahn kriegen wollen, bleiben uns knapp 10 Stunden für die gesamte Tour. Alternativ haben vorgesehen, eventuell auch schon im dunkeln entlang der Gleise der Trambahn und dann auf dem Wirtschaftsweg der Seilbahn ins Tal abzusteigen. Soweit der Plan.
    [attachment=5]Bild02.jpg[/attachment]
    Die Realitäten machen uns schon bald zu schaffen. Jörg hat den Marathon wohl doch nicht so locker weggesteckt wie gedacht und fällt immer mal etwas zurück, wenn Interceptor und ich zügig den Pfad entlang aufsteigen.

    Vor dem Gletscher am Base Camp Tete Rousse auf 3100 Metern machen wir eine kurze Rast. Jörg entscheidet, hier umzukehren und will sich lieber mit seiner Freundin einen netten Tag machen als sich mit uns weiter aufwärts zu quälen.
    [attachment=4]Bild03.jpg[/attachment]
    Damit hat sich dann auch die Frage geklärt, ob wir oben auf dem Gletscher als Seilschaft oder solo gehen. Eine Zweierseilschaft halte ich nur für bedingt sinnvoll, einen ernsthaften Sturz eines Partners kann der andere kaum halten.

    Enttäuscht und ein wenig traurig gehen Interceptor und ich weiter, über den „dreckigen“, mit Steinen und kleineren Felsbrocken übersäten, Gletscher. Der Weg wird nun steiler und bald kommen wir zur Querung berüchtigten Rinne unterhalb des Einstiegs in die „Wand“ zur Gouter Hütte. In der Rinne rieselt und poltert es eigentlich permanent. Die 50 Meter über den Schotterhang ist wahrscheinlich die objektiv gefährlichste Stelle der ganzen Tour.

    Die „Wand“ zur Gouter Hütte verdient ihren Namen nicht wirklich, das Gelände ist zwar steil, aber die Kletterei ist leicht, die Route ist gut zu erkennen und zusätzlich sind Stahlseile zur Sicherung angebracht. Trotz der fast 20 Kilogramm Gepäck im Rucksack macht die Kletterei Spaß, eine willkommene Abwechslung und Entlastung für die schon etwas müden Beine.
    Jenseits der 3000 Meter macht sich die dünnere Luft bemerkbar. Bis zur Gouter Hütte auf 3800 Metern geht es aber noch ohne ernsthafte Beeinträchtigung.
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    12 Uhr Mittag, es naht die Stunde der Wahrheit. Ich bin noch nie mit Steigeisen gegangen. Das probieren wir jetzt zum ersten Mal. Meine „Eisen“ wurden bei Ebay als die legendären „Messner Scherensteigeisen“ angepriesen. Bei einem Preis von € 1,50 erhielt ich den Zuschlag. Dem optischen Eindruck nach zu urteilen ist wahrscheinlich schon Luis Trenker damit dem Ruf des Watzmanns gefolgt.
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    Die Montage hatte ich vorsichtshalber schon mal im heimischen Keller geübt, um mich am Berg nicht restlos zu blamieren. Der Gletscher beginnt direkt an der Hütte. Ich mache die ersten unsicheren Schritte in das Eis. Prompt verhake ich erstmal die Zacken ineinander und lege mich kurzerhand lang in den Schnee. Ohne mich umzudrehen, rappel ich mich wieder hoch und stolpere nun im Seemannsgang weiter. Die schweren Bergstiefel und auch noch den ganzen Stahl am Fuß machen das Fortkommen in der ausgetretenen Rinne echt mühselig. Mit kleinen schnellen Schritte, wie beim bergauf rennen, geht gar nichts, weil ich bei jeden Schritt mit den langen Zacken erst einsacke und dann auch noch ein Stückchen runter rutsche. Lange kräftige Schritte führen mich schnell an die grenzen meiner Kondition. In knapp 4000 Metern Höhe scheint von meiner vermeintlichen Fitness nichts mehr übrig zu sein. Zusätzlich nervt mich auch noch meine Gletscherbrille, das „Modell Kartoffelkäfer“ der Schweizer Gebirgsjäger war zwar vom Preis her attraktiv, bietet aber nur eingeschränkte Rundumsicht. Die Befestigung mit einen Gummiband ist nur auf den ersten Blick ok. In der Praxis ist das Band entweder zu locker, dass die Brillen ständig verrutscht, oder so stramm, dass die Ränder sehr unangenehm auf das Gesicht drücken.
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    Was mich aufrecht hält ist die Tatsache, dass auch Interceptor mit dem Equipment kämpft. Seine Hightechstiefel drücken an den Schienenbeinen, es zieht in den Waden und weiß der Teufel was noch alles. Ich bin dankbar für für jede kurze Pause, wenn Interceptor wieder mal den Innenschuch nachschnüren muss oder sonst was richtet.

    Ich habe das Gefühl, wir bewegen und unendlich langsam vorwärts. Ab und zu versuche ich das Bergpanorama und das geile Wetter zu genießen. Die Meiste Zeit muss ich aber konzentriert darauf achten, wo ich bedächtig meine Fuß hinsetze.

    Die Stunden ziehen sich hin und der Gipfel kommt einfach nicht näher. Wir passieren die flache Kuppe des Dome du Gouter, wenn es mal nicht bergauf geht, fällt das laufen direkt leichter. Gegen 15 Uhr erreichen wir die Vallot Hütte auf 4360 Metern. Vor und liegen nun noch 450 vertikale Meter. Ich bin richtig platt, vor Allem, wenn ich den steilen Anstieg hinaufschaue, der jetzt vor uns liegt.
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    Der Blick auf den Gipfel des Mt. Blanc ist atemberaubend. Die Route ist klar zu erkennen, aber wir müssen jetzt die schwere Entscheidung treffen, umzukehren. Bis zum Gipfel würden wir noch mindestens zwei Stunden brauchen. Beim Abstieg würden wir dann mit Sicherheit noch in schwierigem Gelände in die Dunkelheit kommen.

    Tiefe Enttäuschung, aber auch das Wissen eine richtige Entscheidung getroffen zu haben.
    Bergab geht es auch mit den Steigeisen richtig schnell. In den Beinen merke ich zwar die etlichen Höhenmeter, die wir zurückgelegt haben, aber mit jedem Meter Abstieg kommt wieder mehr und mehr die alte Kraft zurück. Ich hätte nicht gedacht. Dass die Höhe meiner Kondition so zusetzt.

    Wieder an der Gouter Hütte angekommen, steigen wir wieder auf leichte Trailschuhe um. Wenn wir uns beeilen, können wir vielleicht noch die letzte Trambahn vom Nid d’Aigle um 18 Uhr 40 bekommen.
    Wir schlängeln uns noch schnelle an zwei Seilschaften, die ebenfalls absteigen vorbei und machen die mühsam erkämpften Höhenmeter flugs zunichte. Als wir uns dem Ende der Wand auf etwa 3300 Metern nähern wir mir langsam klar, dass wir das Rennen gegen den Tramfahrplan verlieren werden. Obwohl wir wieder ungesichert solo klettern, kommen wir nicht schnell genug voran.

    Bei jedem schnellen Schritt schreien meine Oberschenkel und jetzt muss ich auch noch mit der Tatsache auseinandersetzen, dass wir den ganzen Weg bis ins Tal absteigen müssen. Mittlerweile haben wir wieder Handyempfang. Jörg und Tania sind noch ein wenig durch die Berge gewandert und wollen für unsere Rückkehr ein spätes Picknick organisieren. Die Aussicht auf kühles Bier, Chips und Schokolade treibt uns weiter. Wir folgen der Trasse der Trambahn bis zu einer verlassenen Station, von hier geht ein schmaler Wanderweg sacht ins Tal hinunter nach Les Houches, wo das Auto an der Seilbahnstation auf uns wartet. Gut 1100 Meter und noch eine Stunde Tageslicht haben wir vor uns. Zu allem Überfluss geht auch noch das Trinkwasser zur Neige.

    Der sachte Abstieg wird nun doch steiler, steiniger und immer mal wieder ausgesetzt. Ich bin froh um jeden Meter, den wir noch bei Büchsenlicht zurücklegen. Die letzte dreiviertel Stunde stolpern wir im schwachen Kegel der Stirnlampen dahin.

    Gegen 10 Uhr erklären wir unser „Bergtraining“ für beendet. Was solls, der Berg steht auch nächste Woche noch und jetzt müssen wir die nächsten Tage planen. Beim Picknick entscheiden wir, morgen zum Verdon zu fahren. Für mich bedeutet das, dass ich übermorgen laufen muss. Meine Beine fühlen sich momentan noch überhaupt nicht nach laufen an, aber mit noch mehr Bier, Snickers und Chips wird das schon wieder.

    Fortsetzung folgt,
    Captn
  • :respekt: :respekt: :respekt: für deine frisur(hab dich erst auf den 2ten blick erkannt...) und vor allem für die richtige entscheidung im angesicht des gipfels!!!!!!!!

    wo bleibt die fortsetzung???!!!!????!!! ;)
  • warte gespannt auf die fortsetzung.
    schöne pilder hast du da vielleicht noch ein webalbum ?

    :jump: :jump: :jump: :jump: :jump: :jump: :jump: :jump: :jump: :jump:

    ach nee oder doch - naja ........


     

  • So 'ne Frise habe ich zuletzt auf dem DTK Konzert gesehen :lol: :shock:
    also -die Entscheidung umzukehren war IMHO gut und richtig.
    Jetzt aber mal ein paar Anmerkungen unter uns Freizeit-Messners:
    - Zeitplanung, ich blick nicht, wie ihr euch das vorgestellt habt. 9.00 Uhr los gehen ist für so eine Hochtour sehr "ungewöhnlich". Bei geringerer Höhe gehen im Aufstieg 500hm/h sicher ok, jenseits 3.500 eher schwierig.
    - Keine Akklimatisation halte ich bei Gipfel >4500 für heikel. Einen Tag in größerer Höhe zum Angewöhnen kann man sich da schon gönnen.
    - 2er Seilschaft ohen Anseilen ist gut und richtig.
    - 20kg Gepäck?? Was hattet ihr alles dabei - das ersceint mir sehr viel, ihr wolltet ja nicht übernachten.
    - Zum ersten Mal mit Steigeisen, aber gleich auf den höchsten Berg der Alpen, so geht CaBa :/ Bei alpinen Unternehmungen, bin ich ja eher dafür erst mal unter leichten Bedingungen Erfahrungen zu Sammeln. Auch die Schuhe solten eigentlich kein Thema sein.

    So genug Kritik - beim nächten Mal will ich dabei sein :)

    BTW: Mont Blanc ist halt so ein typischer "höchster Berg". Soweit ich weiss technisch nicht schwer, aber ein langer Hatscher und vor allem sehr gut besucht, kennt ja auch jeder.
    Ich bin da leider auch nicht frei von, aber gerade nicht so bekannte Gipfel sind oft viel schönere Ziele
    (Jaja, will trotzdem gerne irgenwann Biancograt machen)

    Grüßle
    Killa
    Beer. Bikes. Boobs. Burritos.
  • @ Killa,

    klar war das richtig caba,
    ohne wirkliche Ahnung und absolut ohne Vorbereitung den Mt. Blanc anzugehen :doppellol:

    Wir waren uns auch schon beim Aufstieg schnell einig, dass wir den Berg total unterschätzt haben. Was aber nicht heißt, daß wir blind drauflos gelaufen sind.
    Die Weisheit meines Alters gebietet halt auch bei aller Unkenntnis noch einen Rest gesunden Menschenverstand und eine gewisse Umsicht, auch jenseits der 4000 Meter (was schreib ich hier eigentlich für ein gequirlte ...?) :irre:

    Na ja, wie es weitergegangen ist kannst du später in 3. Teil meines Berichts lesen :D

    Jetzt lade ich erst mal die Episode Verdon hoch.

    Ciao
    Captn
  • Verdon – into the deep

    Nach einer gemütlichen Nacht im Zelt mit Regen Blitz und Donner gönnen wir uns morgens erstmal ein richtiges französisches Frühstück mit Croissants und Baguette. Die Zelte bekommen wir jetzt eh nicht mehr trocken, deswegen stopfen wir den ganzen Kleut in Tüten und machen uns auf den Weg in den Süden. La Palud verspricht 27 °C und Sonnenschein!

    Wenn nur diese blödsinnige Gurkerei nicht immer wäre. Mehr als fünf Stunde dauert die Fahrt. Ich kann bereits nach der Hälfe nicht mehr sitzen. Beim Tankstopp hieve ich mich mühselig aus dem Sitz und kann kaum einen Fuß vor den anderen setzen. Wer hatte bloß die verrückte Idee, morgen über 50 Kilometer zu laufen?

    La Palud ist zwar das Zentrum des Actionsports am Verdon, aber eigentlich nur ein winzige Dorf. Vom Campingplatz am Ortseingang bis zum Minisupermarkt am anderen Ende geht man nur wenige Minuten. Interceptor und ich besorgen schon mal das Nötigste, Wein, Bier und Brot. Tania und Jörg wollen das Grillfleisch mitbringen.

    Am späten Nachmittag öffnet dann auch die Rezeption. Der Chef des Campingplatzes erscheint spricht natürlich kein Wort Deutsch oder Englisch. Ich versuche ihm klar zu machen, dass ich kein Französisch verstehe, was ihn aber nicht daran hindert ununterbrochen auf mich einzureden. Egal, das ausgefuchste Reservierungs- und Abrechnungssystem macht es mir leicht uns anzumelden. Auf einen Post it mit dem heutigen Datum schreibe ich meinen Namen, der Manager ergänzt noch die Anzahl Personen und Fahrzeuge, dann klebt er den gelben Zettel zu einem Dutzend anderer auf ein weißes Brett an der Wand des Büros. Dem lächeln und den freundlichen Gesten entnehme ich, dass damit alles erledigt ist.

    Weil wir morgen neben laufen und klettern auch ein Stück abseilen wollen, richte ich für Interceptor und Jörg an einer großen Weide ein Trainingsseil ein. Theoretisch wissen beide wie das gehen soll, praktisch wird es aber morgen wohl eine Premiere werden.

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    Verdientermaßen machen wir uns dann ans Grillen. Wir haben hier neben dem festen Grillplatz auch den Luxus von Tisch und Stühlen auf einer kleinen überdachten Terrasse.

    Gegen 6 Uhr ist die Nacht für mich zuende. Ein bisschen Müsli und Wasser, mehr ist zum Frühstück nicht drin. Interceptor bringt6 mich zu nachtschlafener Zeit mit dem Auto nach Castellane. Am Ortseingangsschild machen wir das obligatorische Startfoto, dann trabe ich in die Morgendämmerung los.

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    Es geht erst mal entlang der Straße, das ist auch ganz gut, so kann ich einen schönen gleichmäßigen Rhythmus finden. Die Beine lockern sich mit der Zeit und es läuft immer besser. Im Rucksack habe ich alles dabei, was ich für die ganze Tour brauche: Neo, Schuhe, Gurt, Karabiner, Achter, Tube, Schlaufen, Seil, etliche PowerBar, Lampe, Handy, GPS, Drybag und große Mülltüten. Nur das Trinkwasser werde ich einmal am Point Sublime, nach 20 Kilometern auffüllen, das muss dann bis zum Ende reichen.
    Eigentlich sollte ja gerade das Wasser bei einem Lauf entlang eines Flusses kein logistisches Problem darstellen. Im Verdon ist das Wasser aber so kalkhaltig, dass es praktisch ungenießbar ist.
    Die Meilensteine machen es leicht, dass Tempo zu kontrollieren. Trotz einiger Ausflüge hinunter, am Fluss entlang, komme ich auf einen Schnitt von 5 Minuten pro Kilometer. Ganz in Ordnung, ich werde die verabredete Zeit mit Tania, Jörg und Interceptor am Point Sublime gut einhalten. Jörg und Interceptor wollen dort erst mit einsteigen. Kann ich gut verstehen, wenn ich mir nicht vor Jahren in den Kopf gesetzt hätte die komplette Strecke, Castellane – Lac de Ste. Croix, zu laufen hätte ich auf die eintönigen ersten Kilometer auch verzichtet.
    Am Parkplatz von Point Sublime bin ich schließlich richtig locker gelaufen. Wir rüsten uns aus für die eigentliche Herausforderung, gut 20 Kilometer Trails, Wasser, Felsen. Jörg hat genau wie ich auch noch seinen Rucksack vom Jungle Marathon 2006, sogar mit der original Startnummer. Bis auf die Schuhe laufe ich auch im gleichen Outfit wie in Brasilien. Ein wenig wehmütig denke ich an die Quälerei zurück. Verglichen damit, steht uns heute nur ein Sonntagsspaziergang bevor.

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    Tania wir uns ein kurzes Stück begleiten und dann zum Auto zurücklaufen. Vom See aus will sie uns dann den letzten Kilometer mit einem Boot entgegen kommen.
    Gleich nach dem Einstieg führt der Weg durch zwei lange Felstunnel. Meist steht da ordentlich Wasser drin, sodass kaum jemand die Chance hat den Weg trockenen Fußes zu beginnen. Weil ich den Weg von meinem letzten Besuch im April noch kenne geh ich voran. Nach dem zweiten Tunnel führe ich die Gruppe in einen Dritten. Den hatte ich überhaupt nicht mehr in Erinnerung – und so elendig lang schon gar nicht. Der Ausgang mündet auf den Wanderweg, der offensichtlich parallel draußen vorbei führt. Das Gestolper hätten wir und gut sparen können.
    Ich bin überrascht, wie wenig Wanderer auf der Strecke sind. Nach fast zwei Stunden, um halb Elf, haben wir kaum mehr als eine handvoll Leute gesehen. Auch die lange Treppe vor dem Abzweig nach Le Maline ist frei. Meine kalkulierten Laufzeiten scheinen ganz gut zu passen.

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    Meist laufen wir locker, zu steile oder gefährliche Passagen gehen wir. Der Trail ist richtig gut, und manchmal kann ich einfach nicht anders. Immer schneller und schneller - wie im Rausch, zwischen Bäumen und Felsen, vorbei an Wänden und Abhängen - im Tiefflug durch den Verdon.
    Irgendwann geht mir dann die Puste aus und ich schlendere langsam weiter bis Jörg und Interceptor wieder aufgeschlossen haben. Ab und zu werfe ich einen abschätzenden Blick auf den Fluss und den Wasserstand. Das sollte klappen, kein Vergleich mit den schäumenden Fluten im April.
    Die Stunde der Wahrheit naht, als wir über die Felsbrocken bei l’Imbut klettern. Unter uns rauscht es schon etwas beunruhigend. Aber als wir schließlich an die Stelle kommen, wo ich schon zweimal umkehren musste zeigt sich der Verdon als zahmer flacher Bach. Das was sonst eine unüberwindbare Stromschnelle war plätschert nun kniehoch über dicke Kiesel.

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    Ich bin überzeugt, dass wir von hieraus kaum mehr als einen Kilometer haben, bis zu der Stelle wo wir wieder aus dem Flussbett aussteigen können und wo der Sentier des Pescheurs beginnt. Nach meiner Rechnung sollten wir in eineinhalb Stunden, gegen 1 Uhr am Wasserfall sein. Noch ein bisschen Abseilen und eine Stunde schwimmen dann wären wir wie geplant um halb Drei am See.
    Ganz sicher bin ich mir aber nicht, denn was jetzt kommt ist für uns Terra Incognita.

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    Im Kiesbett des Verdon läuft es sich erstmal ganz gut. Ich versuche mir immer noch wieder in Gedächtnis zu rufen, wie hoch der Wasserstand im April war, vielleicht 50 Zentimeter höher, mehr nicht und es wäre Selbstmord gewesen ins Wasser zu springen.
    Aus dem Traillauf wird nun mehr ein Sightseeing, hier sind sicherlich die spektakulärsten Stellen des ganzen Canyons, und wir können das ganz allein genießen. Ich werde nur jedes Mal aus meinen Träumen gerissen, wenn Interceptor aus lauter Übermut wieder einen 50-Kilobrocken ins Wasser klatsche lässt. So hat jeder seinen Spaß. Immer wieder denke ich: „Hinter der nächste Ecke wirst du bestimmt die bekannten Fundamente sehen.“, weit gefehlt, wir folgen dem Fluss Bogen für Bogen und keine bekannte Formation in Sicht. Jörg fragt schon mal: „ Die zwei Kilometer haben wir jetzt aber hinter uns, oder?“. Ich kann nur mit den Schultern zucken – Terra Incognita. Was hat eigentlich Columbus seiner Mannschaft erzählt, die waren doch Wochen länger unterwegs als geplant?

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    Die ersten Anzeichen von Zivilisation machen sich bald akustisch bemerkbar, schrille Schreie, zischen Entsetzen und Begeisterung. Ganz offensichtlich erreichen wir das Terrain der Canyoning Guides. Während wir über die Felsen klettern, treiben im trägen Fluss ganze Gruppen dahin, die meisten bemerken uns gar nicht.

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    Nach ungezählten Biegungen, Flussquerungen und Felsenbarrieren kommt das unscheinbare Fundament einer längst zerstörten Brücke mit dem charakteristischen gebogenen Eisenträger in Sicht. AB hier kenn ich mich wieder aus. Wir haben die „unpassierbare Passage“ geschafft, und das ohne uns in eine „no return“ Position zu begeben. (Bei diesem Wasserstand wäre der Lauf auch flussaufwärts möglich.)
    [attachment=5]Verdon27.jpg[/attachment]
    Wir schlendern noch ein Stück durch das Flussbett, dann nehmen wir auf dem Sentier des Pescheurs wieder unser gewohntes Tempo auf. Hier ist bedeutend mehr Betrieb, mag auch an der Tageszeit liegen, mittlerweile ist es 2 Uhr. Jörg fällt immer wieder zurück, nicht aus Konditionsschwäche, sondern weil er versucht unsere Support Crew zu managen. Als wir schon das Rauschen des Wasserfalls hören, der das Ende der Laufstrecke markiert, bekommt er Verbindung. Das Boot ist fast am Ziel und bereit uns auf dem letzetn Kilometer zu begleiten. Tania ist mit dem Tretboot keine 50 Meter vor dem Wasserfall, als wir zu der kleinen Plattform 15 Meter über dem Wasser kommen. Perfektes Timing fast sechs Stunden nachdem wir und bei Pointe Sublime getrennt hatten.

    [attachment=4]Verdon30.jpg[/attachment]
    An der kleinen Plattform bietet sich ein ordentlicher Felsvorsprung für die Anbringung des Seiles an. Als zusätzliche Sicherung lege ich noch eine Schlinge um den Stamm eines starken Busches. Jetzt wird sich zeigen, ob das Trockentraining von gestrigen Abend ausgereicht hat. Wir legen alle die Gurte an und ich spreche noch mal kurz den Ablauf durch.
    Das Seil liegt doppelt und reicht gut bis in Wasser. An den Enden sind Knoten, damit der ATC, den wir zum Abseilen nehmen nicht vom Seil rutschen kann. Jörg wird als erster über die Kante steigen und sich langsam, zusätzlich mit einem doppelten Prusik gesichert abseilen. Ich werde als letzter gehen, damit ich bei beiden Gurt und Seilführung kontrollieren kann.

    [attachment=3]Verdon32.jpg[/attachment]
    Sehr langsam lässt Jörg das Seil durchlaufen. Als er noch einen Meter über dem Wasser ist, geht es plötzlich nicht mehr weiter. Der Prusik hat sich an einer Eindrehung im Seil festgezogen. Nun hängt er da, kommt weder runter noch wieder rauf. Die Felswand ist weit außerhalb der Reichweite und ein Messer hat Jörg auch nicht zur Hand.
    [attachment=2]Verdon31.jpg[/attachment]
    Natürlich sind wir schon zur Attraktion für zig Paddel- und Tretbootfahrer geworden. Ein Kanute, der die ganze Aktion beobachtet hat, schafft es schließlich, Jörg von Tanias Tretboot aus etwas anzuheben, sodass er den Knoten lösen kann und doch noch zur verdienten Abkühlung ins Wasser eintauchen kann.
    Wir ziehen das Seil mitsamt ATC und Karabiner wieder rauf und Interceptor macht sich fertig für den Abstieg. Diesmal ohne Prusik gleitet er die 15 Meter hinunter und hängt sich aus. Dann komme ich direkt hinterher.
    Unter mache ich die Knoten auf und will das Seil nun abziehen. Das gestaltet sich aber schwierigen, als gedacht. Der weiche Kalkstein hatte unserem Gewicht und dem dünnen Seil nur wenig entgegen zu setzen. Das Seil hat sich in die Kante eingeschnitten und sitzt nun bombenfest. Währen ich noch an den Enden des Seiles zerre, ergreift Interceptor kurzerhand die Initiative und klettert neben dem Wasserfall wieder hoch und befreit das Seil. Zum krönenden Abschluss springt er dann aus halber Höhe ins tiefe Wasser.

    [attachment=1]Verdon35.jpg[/attachment]
    In meinem Neo ist es mollig warm, kein Vergleich zur Temperatur im April. Jörg und Interceptor haben die Neos erst gar nicht angezogen. Vielleicht hätte ich mir die zwei Kilogramm auch sparen können. Die letzte Etappe kann beginnen. Die Bedrohung durch Naturgewalten ist überschaubar, die Gefahr von einem Tretboot untergemangelt zu werden hingegen ist allgegenwärtig. Nicht dass ich jemandem unterstellen will uns mit Absicht zu attackieren, aber einigen Skippern fehlt es einfach an nautischen Fähigkeiten.
    Gegen 16 Uhr 30 kommen wir an den Ausgang der Schlucht. Ich lasse es mir nicht nehmen, genau unter der Mitte der Brücke hindurch zu schwimmen, bevor ich langsam weiter zum Strand bade.
    Nach 16 Jahren hab ich nun den Sack zugemacht. Richtige Euphorie will in mir nicht aufkommen, es ist fast ein bisschen schade, dass das Projekt Verdon abgeschlossen ist – aber geil wars schon!

    [attachment=0]Verdon37.jpg[/attachment]

    Am Ziel - aber war da nicht noch eine Rechnung offen?

    Captn
  • @ Captn: super Bericht!!!! Es ist fast so als hätte man es selbst erlebt... :thumbs: :thumbs: :thumbs:
  • Mt. Blanc - die Zweite

    Interceptor hatte nach unserem nächtlichen Abstieg am letzten Montag keine Ruhe mehr gelassen. Dieser Gipfel ist fällig!

    [attachment=11]Mtblanc00.jpg[/attachment]
    Am Donnerstagnachmittag kommen wir wieder nach Chamonix. Die Campingplätze im Ort selbst sind rappelvoll, weil am Wochenende der UTMB startet. Angeblich sind über 5000 Läufer für die verschiedenen Strecken gemeldet. Zu den Verrückten gehört auch Hangonclimb, mit dem wir am Abend noch auf ein Bierchen verabredet sind.

    In Les Bossons bekommen wir wieder ein Plätzchen für das Zelt. Als Bergsteiger zwischen all den Läufern fühle ich mich fast wie ein Exot. Gegenüber steht ein großer deutscher Kombi vor einem kleinen Zelt. Der Besitzer kommt grinsend auf uns zu: „Hi, wir kenn uns doch, KILL 50 letztes Jahr. Da bin ich mitgelaufen, weil ich die zwei Punkte für die Quali brauchte, du hast da doch gewonnen.“

    Dann dämmerts mir auch, die Welt ist klein, gerade unter Ultraläufern. Yeti geht morgen auch auf die volle Distanz, 166 Kilometer. Wir erzählen von unseren Plänen und bekommen gleich noch ein paar Alpintipps.

    In Chamonix scheinen ausschließlich Ultraläufer unterwegs zu sein. Die meisten haben ihr Equipment schon dabei. Hangonclimb treffen wir entspannt bei einem Bier mit drei anderen deutschen Startern. Wir werden ausdrücklich vor dem vietnamesischen Kellner gewarnt, er nehme jeden Versuch eine Order aufzugeben als Attacke auf seine Ehre und die seines ganzen Volkes. Ich probiere es trotzdem und zur Verblüffung aller bekommen wir unmittelbar das gewünschte Bier. Offensichtlich steht er nur nicht auf kurz oder kahl geschorene Schädel, vielleicht weckt das genetisch verankerte Erinnerungen seiner Vorfahren, die als Vietcong im Dschungelkrieg gegen die GIs gekämpft haben.

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    Bis um 10 Uhr sitzen wir entspannt draußen, dann wünschen wir und gegenseitig Erfolg für die nächsten Tage. Wenn ich an das Programm von Hangonclimb denke, habe ich das Gefühl nur einen lockeren Spaziergang zu planen.

    Wieder am Campingplatz werfe ich noch einen Blick auf den Wetterbericht für die nächsten Tage, wechselnde Bewölkung, recht warm, aber zunehmend windig. Ab kommender Nacht werden circa 60 km/h Wind erwartet. Na klasse, und wir wollen auf 3800 Metern Höhe im Zelt biwakieren. Da müssen wir morgen früh noch ein paar Schneeheringe besorgen, damit wir nicht vom Gletscher gefegt werden. Vielleicht haben wir aber auch Glück und bekommen noch zwei Betten in der Gouter Hütte. Offiziell ist die Hütte bis zum Ende der Saison komplett ausgebucht, wenn das Wetter aber nicht ganz optimal ist, haben wir vielleicht eine Chance, dass jemand abspringt.

    Der Morgen verspricht einen schönen Tag mit Sonne und Wolken im Mix. Um halbneun kommt wieder der Bäckerwagen mit frischem Baguette und Croissants. Nach so einem Frühstück kann nichts mehr schiefgehen.

    Damit Zelt und Schlafsack in den Rucksack passen müssen die dicken Bergschuhe und die Steigeisen raus. Die Schuhe ziehe ich direkt an, Steigeisen Pickel, Isomatte und Jacke mache ich außen am Rucksack fest.

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    Diesmal wissen wir schon recht genau was uns erwartet sodass wir auch besser planen können. Wir wollen die Trambahn zum Nid d’Aigle um 13 Uhr 40 nehmen und dann in aller Ruhe zur Gouter Hütte aufsteigen. Mit Glück bekommen wir ein Bett, dann werden wir den Rest des Abends faul genießen. Alternativ gehen wir weiter zu dem inoffiziellen Biwakplatz, bauen das Zelt windsicher auf und richten uns auf die windige Nacht ein. Am Freitagmorgen in aller Frühe wollen wir zum Gipfel aufbrechen und dort so zeitig ankommen, dass wir in jedem Fall die letzte Trambahn um 17 Uhr 40 bekommen.
    Die alte Trambahn ruckelt pünktlich los und bringt uns schließlich bis auf 2340 Meter. Die Landschaft ist hier schon sehr karg. Das hochalpine Mt. Blanc Gebiet steht unter Naturschutz. Sowas wie wild campen ist da natürlich verboten. Für alle diejenigen, die die mehrsprachigen Infotafeln nicht sehen (wollen), weist ein Bergführer persönlich alle Bergsteiger, die so aussehen wie wir, darauf hin. Es gibt nur ein zugelassenes Basiscamp unter der Tete Rousse auf etwa 3100 Metern. Soweit so gut, aber mit unserer Zeitplanung ist das eigentlich nicht vereinbar.

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    Gleichmäßig und ohne Pausen zu machen steigen wir den holprigen Pfad auf. Da wir vor drei Tagen schon hier waren hab ich das Gefühl mich bestens auszukennen und fühle mich schon als alter Hase. Es geht gut voran, obwohl wir als letzte aus der Bahn gestiegen sind, haben wir nach eineihalb Stunden nur noch ganz wenige Bergsteiger vor uns. Das „Training“ der letzten Tage macht sich bezahlt. Bis zu einer Höhe von 3300 Metern spüre ich praktisch keinerlei Einschränkung durch die dünnere Luft.

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    Bevor die Kletterei zum direkten Aufstieg zur Gouter Hütte beginnt, müssen wir noch die berüchtigte große Rinne mit permanentem Steinschlagrisiko queren. Das Risiko ist einfach zu minimieren: warten bis es ruhig ist und dann so schnelle wie möglich die 50 oder 60 Meter sprinten. Soviel zu Theorie, in der Praxis, auf 3300 Metren, mit fast 20 Kilogramm Gepäck und schweren Bergstiefeln an den Füßen, wird aus dem schnellen Sprint ein holpriger Schweinsgalopp.

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    Danach geht es entspannte weiter, die gemischte Kletterei ist eine willkommene Abwechslung. Bereits nach dreieinhalb Stunden stehen wir auf den Plattform vor der Gouter Hütte.

    Wir haben gepokert und gewonnen. Es sind tatsächlich noch einige Plätze für die Nacht frei. Mit einem zünftigen Abendessen macht das für mich (ohne DAV-Ausweis) 50 Euro. Ein stolzer Preis für einen knappen Quadratmeter Schaumstoffmatratze und zwei Decken, trotzdem bin ich froh, heute Nacht nicht ins Zelt kriechen zu müssen. Im Gastraum wird das Essen tischweise serviert, wir bekommen zwei Plätze zugewiesen und zack-zack stehen die Teller auf dem Tisch. Suppe, Goulasch, Reis und noch ein Nachtisch, wir werden schneller abgefertigt als im Ferienflieger.

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    Als wir wieder rauskommen steht die Sonne schon niedrig, der Wind bläst heftig, und es hat sich empfindlich abgekühlt. Die meisten Bergsteiger haben sich schon verkrochen, um wenigsten ein paar Stunden Schlaf abzubekommen. Ich sehe mir noch in aller Ruhe den Sonnenuntergang über den Wolken an, bevor ich mich im Vorraum daran mache meinen Rucksack für den Gipfel zu packen und den Kram, den wir für den Aufstieg nun nicht brauchen zu verstauen. Da wir auf dem Rückweg wieder hier vorbeikommen, nehmen wir nur das Nötigste mit auf den Gipfel.

    Mit 40 Bergsteigern in einem Raum, zumindest brauchen wir keine Heizung. Ich glaube gerade erst eingeschlafen zu sein, da rumort es überall um mich herum. Es ist Zwei Uhr morgens, und ich bin fast der letzte, der sich langsam aus den Decken schält. Wir machen uns in aller Ruhe fertig, und frühstücken den letzten Rest Brot und Müsliriegel. Es ist immer noch stockfinster, als wir um drei Uhr die Eisen in das Eis krallen. Vor uns eine ganze Prozession von Stirnlampen auf dem Weg zum Gipfel. Der Weg ist auch so nicht zu verfehlen, wie die Lemminge folgen wir der Spur. Der Wind ist eisig, und an den ausgesetzten Stellen erreicht er sicher die prognostizierten 60 km/h. Interceptor hat textil aufgerüstet, komplett in Goretex. Solange ich in Bewegung bleibe komme ich trotz meiner dünnen Treckinghose und der Fleece-Kombijacke ganz gut klar.

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    Bei der Vallot Hütte auf 4360 Metren schlüpfen wir schnell unter. Endlich raus aus dem schneidenden Wind. Ein paar Hartgesottene habe hier offensichtlich die Nacht verbracht, davon zeugen die Schlafsäcke und Rettungsdecken. Es wird nicht viel geredet, jeder ist mehr oder weniger mit sich selbst beschäftigt. Einen Powerbar später hat Interceptor seine kalten Füße besser verpackt und es kann weiter gehen.

    Das erste Stück ist noch mal richtig steil, vor drei Tagen hatte ich mich noch unendlich gequält um überhaupt vorwärts zu kommen. Jetzt als erfahrener Alpinist habe ich so was wie einen langsamen Rhythmus gefunden. Im Osten mach sich schon das erste Licht des Tages bemerkbar. Der Weg wird flacher, die Stirnlampen brauchen wir schon lange nicht mehr und dann liegt er zum greifen nahe vor uns, der flache Gipfel des Mt. Blanc.

    Das letzte Stück führt über den Bossesgrat, sicher eine der spektakulärsten Passagen in den ganzen Alpen.

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    Auf dem Gipfel ist schon eine Gruppe vor uns angekommen. Wir gratulieren uns gegenseitig zum Gipfelerfolg. Ganz langsam wird mir bewusst, dass wir auf dem höchsten Berg der Alpen stehen. Die Sonne will gerade über den Horizont steigen und wir blicken auf die Alpen zu unseren Füßen. Ich hätte nicht hat gedacht, wie beeindruckend dieser Moment ist. Ich kann die Verrückten, die auf jeden Gipfel klettern müssen und sich Monate oder Jahre darauf vorbereiten nun ein gutes Stück besser verstehen.

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    Der eisige Wind holt uns wieder in die Realität zurück. Eine Bergbesteigung ist erst mit der Rückkehr ins Tal beendet. Ein langer Abstieg liegt noch vor uns. Ob auf dem Grat, in der Wand oder bei der Querung der Rinne, der Spielraum für Fehler oder Unachtsamkeiten ist nur gering. Gerade auf dem Gletscher rufe ich mir immer wieder in Erinnerung, jeden Schritt bewusst und gezielt zu setzten, jederzeit bereit, den Pickel als letzte Sicherung in den Schnee zu schlagen.

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    Wir sind bewusst die ganze Tour solo gegangen, jeder ist für sich selbst verantwortlich.

    Gegen acht Uhr kommen wir bereits wieder zur Gouter Hütte. Kurz vorher kommen uns noch eine ganze Reihe gequälter Gestalten entgegen. Ich beneide sie nicht, einige sehen nicht so aus, als könnten sie den Gipfel heute Erreichen. Die Erinnerung von Montag ist noch wach, aber nun überwiegen Triumph und Euphorie.

    Beim Aufbruch von der Hütte haben wir die Rucksäcke wieder prall gefüllt, eine ganze Menge Gewicht hätten wir uns eigentlich sparen können, Schlafsack, Zelt, Isomatte, Verpflegung. Was soll’s deklarieren wir das wieder mal als Training.

    Der Rhythmus des Berges stellt sich langsam wieder ein, die Wolkendecke öffnet sich mehr und mehr. Es wird wieder ein sonniger Tag und wir legen eine Kleidungsschicht nach der anderen ab. Gegen halb zwölft kommt die Station Nid d’Aigle in Sicht, und siehe da, es ist gerade eine Tram oben. Wir legen einen Schritt zu, exzellentes Timing!

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    Knapp 24 Stunden nach dem Aufbruch am Bahnhof von St. Gervais sind wir wieder am Ausgangspunkt angekommen. Ich kann es kaum glauben, wie viele Eindrücke und Ereignisse in eine Tag passen.
    Und dann bohrt sich da wieder eine Frage ins Bewusstsein:

    „Und was kommt jetzt?“

    Captn
  • Super Bericht Captain - alle 3 Teile !!!
    Meine Hochachtung und vor allem für den Gipfel auch ein wenig Neid.
    Das ist ja der Normalaufstieg und auch die Übernachtung auf der Gouter Hütte ist eben der übliche/logistische geschickteste Stützpunkt.
    wie waren den die hygienischen Verhältnisse dort - habe dort schon eher schlimmes vor allem über Gestank gehört (wobei ich sicher in einem Schlaflager immer meinen Anteil zum Befgsteigeraroma dazu tue :D :shock: )
    ??
    Grüße Killa

    PS: Was mir vorschwebt ist noch der Elbrus (jaja, der höchste berg Europas) am besten per Ski ......
    Beer. Bikes. Boobs. Burritos.
  • @ killa,
    danke für die Blumen, awr schon bne echt coole Aktion.

    Jetzt beim zweiten Versuch habe ich mich aber auch nicht mehr blamieren wollen. Mir Biwak im Zelt auf 3800 Meter wäre sicher auch reizvoll gewesen, musste nunaber auf den letzten Tag auch nicht mehr sein.

    Was die Hygiene auf der Hütte angeht, hab ich keinen Vergleich, doll war es aber nicht. Die Plumsklos sahen selbst im faden Licht der Stirnlampe ziemlich sauig aus. Fließend Wasser gabs eh nicht, und die Decken hab ich nur im dunkeln gesehen, für die 4 Stunden war OK. Zumindest hab ich mir nix eingefangen.

    Was zukünftige Plaäne angeht, liegst du offensichtlich mit Interceptor auf einer Linie. Ich hab keine Ahnung wie das geht, kriegt man das auch eine einem langen WE hin?

    Captn
  • :booze: hoch die tassen :booze:

    hab jetzt noch kalte füße - sehr eindrucksvoller bericht ,sehr schöne bilder.
    @interceptor: du wirst bestimmt mal klippenspringer in acapulco :lol: .

    toll dasdass treffen mit hangon geklappt hat.

    danke für diesen tollen bericht.

    :ua_respect2: :ua_respect2: :ua_respect2: :ua_respect2: :ua_respect2:

    ach nee oder doch - naja ........


     

  • :respekt: :respekt: :respekt: :respekt:
    Ich habe mir nun mal alle 3 Teile durchgelesen...Interceptor hatte mir am Wochenende schon etwas über den Trip erzählt, aber die Berichte lesen sich ja als ob man dabei gewesen wäre.
    Super geiler Trip, Jungs! Hut ab.....
    :respekt: :respekt: :respekt: :respekt:
  • Also jungs nachdem ich das alles durchgelesen habe, habe ich nur gedacht wann wird es gefilmt. Super Leistung und super Bericht. :respekt: :respekt: :respekt: Ich freue mich auf die nächste Episode. :booze: :booze: :booze:
  • Auf vielfachen Wunsch habe ich nun ein Webalbum mit meinen Bildern eingerichtet.

    The hole story unter:
    river deep - mountain high

    Viel Spaß
    Captn
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