Paris - Brest - Paris

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Kommentare

  • :klatsch:WAHNSINN!!!:klatsch: 


    Ihr seid unglaublich, weiß gar nicht was ich dazu schreiben soll?

    Glückwunsch :prinzessin4:CLD:prinzessin4: und :cooler:Untergang:cooler:

    Captn 


  • Super!!!!

    Ihr seid absolut irre! Würde mich jetzt auch nicht mehr wundern, wenn ihr gleich heim radelt :grins: 
  • edited 10:12 (20.08.15)

    LUMI IST AUCH FERTIG!!! :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: 
    :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: 



    Auch Dir, Schneggsche, FETTEN RESPEKT!!! :gott:  :gott:  :gott:  :gott:  :gott:  :gott:  :gott:  :gott: 

    :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: 


  • Glückwunsch zum Finish ihr Tiere! :klatsch:
  • Über 1200km Schwitzen im sitzen mit 10000hm!!!! Gaaaanz großes Tennis!!! :D
  • Wahooooooo,
    Ihr seid intergalaktisch!!!! 
    Mein fettesten Respekt!!!!!!

  • @jambo: melde dich mal... alles gut?? :gruebel:
  • edited 12:28 (24.08.15)
    Ja, Danke der Nachfrage, soweit alles fit im Schritt.

    Hatte wegen der Sitzposition auf meinem RR exakt die Schwierigkeiten, die ich erwarten durfte.
    Und da es linker Brustbreich war, habe ich bei 489 abgebrochen und bin auf abenteuerlichste Art, natürlich gut duftend und sehr sauber, mit Hilfe einiger Bauern und besoffener Autofahrer über Saint Brieuc nach Paris zurück.

    Dennoch war es eine der schönsten und spannendsten Sportveranstaltungen, die ich je mitgemacht habe!

    Auf zur nächsten ....
  • edited 14:02 (24.08.15)
    @ Jambo: Schön von Dir zu hören/lesen. Waren etwas besorgt wo Du abgeblieben warst.

    @ all others: Ein sehr geiles Abenteuer, auf das ich mich lange gefreut hatte, ist zwar nicht viel zu schnell aber trotzdem schon wieder Geschichte.
    Kriege meine Eindrücke noch nicht wirklich in einen aussagefähigen Aufsatz gepackt. Dreieinhalb Tage Wettkampfmodus bescheren einem so unendlich viele Eindrücke!
    Vielleicht kriege ich die beste Stokerin von allen ja dazu genötigt eine chronologische Abhandlung der Ereignisse zu tippen.
    Ohne Euch mit langweiligen Zahlenkolonnen und Endlos-Aufzählungen zu quälen erzähl´ ich Euch lieber von dem, was mich nach den Schmerzen und der bleiernen Müdigkeit am meisten beeindruckt hat: von den Menschen im Teilnehmerfeld und vor allem den Bretonen an der Strecke. Über 6.000 Freaks zwischen 19 und 84 aus allen Ecken und Enden der Welt radeln mit allem was sich irgendwie Fahrrad nennt (auch Oldtimer, Fixies, Klapp- und Hollandräder, Elliptigo´s, Baumarkt-MTB´s,...) zwei mal kreuz- und quer durch Frankreich. Dass es da zu interessanten Begegnungen kommt ist zwangsläufig! Die meisten Asiaten ziehen da ihr eigenes Ding durch und lassen sich meiner Meinung nach nicht auf das ein, was P-B-P ausmacht. Alle anderen ticken mehr oder minder wie man selbst und so radelt und leidet und lacht und isst und trinkt man zusammen, zieht und motiviert sich, tröstet und gibt Windschatten. Diese Begegnungen bleiben natürlich viel oberflächlicher und kürzer als zwischen Familie, Freunden, Sportkameraden, etc., aber durch die Länge des "Rennens" und die Tiefe der Tiefs berührte es mich halt doch viel mehr als bei einem "normalen Ultra." Noch mehr geflasht haben mich allerdings die Zuschauer am Rand der Strecke. Während im Großraum Paris und in der Normandie kaum jemand Notiz von Dir nimmt wirst Du in der Bretagne auf Händen getragen. In jedem fünften Kaff ist großer Bahnhof, selbst Berufskraftfahrer überlassen Dir die Vorfahrt, zu jeder Tages- und Nachtzeit stehen selbst mitten im Off Leute applaudierend an der Strecke und rufen dir aufmunternd "bon route" und "bon courage" hinterher. Um drei Uhr morgens hälst Du am Streckenrand bei einem älteren Ehepaar und kriegst Kaffe, Kuchen und notfalls auch ein warmes Plätzchen auf der Couch. Auf die Frage nach dem "Warum?" erklärt Dir die ehemalige Klassenlehrerin von Bernard Hinault dann lapidar, daß man in der Bretagne halt Radsport-verrückt sei...
    Obschon ich während der schlimmsten Müdigkeits-Attacken dachte, daß ich unbedingt nach eine kurzen Power-nap weiter radeln muß, um mir diesen K(r)ampf nicht noch mal anzutun, bin ich jetzt trotz durchgetretener Füße, tauber Hände und Pavian-Hintern wieder so weit, daß ich das Schicksal 2019 wieder herausfordern würde....

    Zum Verlauf noch ein paar Facts ohne den Anspruch auf Vollständigkeit:
    - im ersten Drittel haben wir Jambo mehrfach getroffen und später immer wieder Lumi und Ihren Mann. Zusammen gefahren ist man nur wenig, da das Tandem in diesem hügeligen Gelände (360 Hügel mit über 11.000 Hm) einem anderen Rhythmus folgt als ein Solo-Bike.
    - Plattfüße hatten wir keine. Was uns aber Zeit und Nerven gekostet hat war unser Antrieb. Synchron- und Antriebskette kamen sich mehrfach in´s Gehege und die linke vordere Kurbel löste sich öfter. Kommt davon, wenn man es exklusiv will und Leichtbau-Kram verbaut! Werde wohl wieder die alten XTR-Kurbeln montieren.
    - taktisch haben wir alles richtig gemacht. Hätte nicht besser laufen können. Sind die erste Nacht und den Montag durchgeballert, um dann bei km 525 zwei, drei Stündchen zu schlafen. Das hat wegen der Kälte in der Turnhalle nicht wirklich geklappt. Um drei Uhr morgens ging´s dann weiter. Mußten allerdings leidvoll erfahren, daß die Stunden zwischen drei und sieben Uhr biorhythmisch und kältetechnisch die schlimmsten sind. Also daraus gelernt und bis zwei Uhr morgens durchgekurbelt, um nach stempeln, essen und co. von drei bis sechs zu schlafen. In der letzten Nacht hat CLD dann entschieden, daß durchgefahren wird um im Falle einer Panne oder ähnlichem nicht in Zeitnot zu gelangen. Im Nachhinein goldrichtig, da es nach unserem Zieleinlauf begann heftig zu regnen. Zwischendurch gab´s mehrere Power-naps im EC-Hotel, Stassengraben oder auf dem Fußboden irgendeiner Turnhalle.

    Das war´s erstmal. Ich leg´ mich jetzt wieder hin....
  • Geil, geil, geil.... :shock: :cooler: :gott: :applaus: 

    Schöner Kurzbericht, Ich hoffe CLD nimmt sich die Zeit für einen längeren... :thumbs:

    Aber es ist schön zu hören, dass es Euch allen gut geht... ab einem gewissen Eventausmaß ist das alles nich so ohne... :shock:

    @Jambo: Schön, dass Du vernünftig geblieben bist... :yau: :thumbs: 

  • edited 22:32 (25.08.15)
    PBP 2015 16.-20. August

    Mein Untergang hat bereits 5 Jahre von diesem Event geträumt und nun sollte es endlich losgehen...
    Ich hätte gut noch ein paar Jahre warten können. Es war für mich einfach unvorstellbar, wie wir das durchhalten sollten.

    Mir machte die mit Sicherheit kommende Müdigkeit die größten Sorgen.  Was wenn ich einmal total müde bin, benötige ich dann eine komplette Nacht zum Schlafen???
    Abgesehen davon, dass die Muskeln und Knie wohl irgendwann den Geist aufgeben würden.
    Aber ich konnte meinen Untergang ja auch nicht versetzten und ohne Stoki fietsen lassen, schließlich sind wir nur im Team"richtig"gut...also versuchen, was geht!

    Die Anreise verlief zum Glück unproblematisch und unsere Unterkunft stellte sich - obwohl günstig - als sehr schön heraus. Unterwegs trafen wir bereits an einer Raststätte die ersten Randonneure. Wir hielten ein kurzes Schwätzchen mit ihnen und sollten den Dreien während des Rennens noch mehrfach begegnen. Komisch, irgendwie waren wir bereits bei einigen deutschen Randonneuren bekannt... die 2 mit dem Tandem!?

    Samstag haben wir erstmal so lange wie möglich geschlafen und sind dann zum Velodrom gefahren. Dort wurde uns schnell klar, es ist ein Weltevent... überall Räder, Räder, Fietse, Fietse, Bikes, Bikes,...
    Teilnehmer aus der ganzen Welt (66 Nationen). Untergang war im Paradies und konnte sich kaum retten vor ausgefallenen, seltenen und besonderen Rädern, er wußte zu fast allen etwas zu berichten... Pflegi kann sich bestimmt vorstellen, wie glücklich Untergang war.
    Einfach unglaublich, die Räder durften mit in die Geschäfte und ins Einkaufszentrum, sogar in den Supermarkt, das störte niemanden. Überall Radler aus der ganzen Welt, Asien, Australien, Nord- und Südamerika, Afrika, Neuseeland  und natürlich Europa.
    Wie eine Olympiade, welche auch nur alle 4 Jahre stattfindet.

    Um 17:00 Uhr fuhren wir zum Treffen der deutschen Randonneure, welche in diesem Jahr die größte Anzahl Teilnehmer der ausländischen Nationen stellten. Ca. 524, davon 29 Frauen, der älteste 84 Jahre, der jüngste 19 Jahre und 3 Brüder aus Bayern auf einem Tridem, welches  wir leider nicht in Aktion erleben durften.
    Dort trafen wir auf einige bekannte Gesichter, von den vorherigen Brevets und es war ein fröhliches Wiedersehen. Natürlich trafen wir dort auch endlich unseren Jambo!
    Meine argen Bedenken wurden zwar nicht weniger, aber meine Laune besserte sich - Untergang war schon reichlich genervt von mir...zu Recht! Nun war auch für mich klar, wir fietsen mal drauflos und gucken, wie weit wir kommen. Sind ja nur 360 Hügel a ca. 30 HM und 1230 km. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wußte, die Hügel hielten sich nicht an den errechneten Durchschnitt und so sollten es ein paar zusätzliche HM (ca. 11.000 und ca. 1250 km) werden. Es gab kleine Hügel, gute Hügel, gemeine Hügel und ganz gemeine Hügel! Hier bekam man mehr für sein Geld!

    Anschließend ging es zum Radcheck, das war natürlich kein Problem und ging auch recht schnell, da wir einen günstigen Zeitkorridor zugeteilt bekommen hatten.
    Noch mehr bekannte Gesichter und Schwätzchen...alle sind nervös und tauschen ihre Taktiken aus... wir hatten keine und das war auch gut so! Lumi und Co. hatten wir auch bereits getroffen, sie schienen mir total cool und entspannt.
    Nach unserem Henkersmahl mit Jambo ging es zum letzten Mal für die nächsten Tage ab ins Bett und eine ganze Nacht schlafen..

    Endlich Sonntag... Untergang wollte noch in Ruhe Paris genießen, ich war aber viel zu nervös und aufgeregt, um es in Ruhe genießen zu können.
    Einige Randonneure radelten noch recht entspannt durch die Gegend - unglaublich, als würden sie nicht noch lange genug im Sattel sitzen müssen... Es sollen sogar ein paar mit dem Rad von Zuhause angereist sein. Sind doch alle IRRE!!!
    Wir dachten auch an die CaBaNauTeN, welche beim Mauerweglauf waren und hofften, dass sie inzwischen alle gut durchgekommen waren.

    Im Velodrom angekommen parkten wir unser Rad, nahmen noch die letzten Vorbereitungen vor und gingen zum Essen. Dies war jedoch bereits mächtig geräubert. Na gut, dann halt noch mit Bekannten geplaudert und neue Teilnehmer kennen gelernt, welche man erstaunlicher Weise bis einschließlich Donnerstag auch immer wieder treffen sollte.
    Mit unserem geplantem Nickerchen vor dem Start wurde es nichts mehr, da wir viel zu aufgeregt waren und die Zeit dann doch recht schnell vorbei war.
    Ein Bekannter von unserem ersten Brevet letzten Jahres hatte Untergang verraten, dass die Briten -wenn sie unterwegs ein Tandem treffen - das Daisy Bell (Bicycle built for two) singen, darauf freute ich mich riesig.

    Dann guckten wir uns die ersten Starts an und schon ging es für uns zum eigenen Start. Da wir mit den Spezialrädern starteten, waren wir recht früh 17:15 Uhr dran und Untergang konnte sich mal wieder kaum retten vor lauter Tandems (es sollten insgesamt ca. 70 gemeldet sein). Irgendwie kam es mir vor wie eine kleine Tandem Familie...
    1,2,3 und los, ab durch den Bahnhof an Leuten mit lautem Jubel und Applaus...ups da bekam man Pippi in den Augen.

    Die ersten 120 km sollten recht Tandem freundlich sein. Es ging tatsächlich und dann wurde es langsam welliger, immer rauf und runter und dann etwas steiler rauf und runter...immer weiter
    Die erste Verpflegungsgelle sollte bei km 140 sein -sehr schön und alles was man braucht ist vorhanden.
    Schnell zwei Kaffee organisiert, Trinkflaschen gefüllt und weiter.
    Schon bald und viel zu früh überkam mich bereits die Müdigkeit und ich befand mich in einem sehr tiefen Tief. Zum Glück hat Untergang mir das nicht so ganz geglaubt und er meinte ich sähe gar nicht so aus. Da es ihm besser ging, radelten wir weiter bis zur ersten Kontrolle. Dort hieß es über die Zeitmatte, Stempel abholen, anschließend essen und trinken bzw. Trinkflaschen füllen. Ruck Zuck war ca. 1 Stunde für die Pause weg...

    Immer wieder trafen wir auf Lumi & Co bzw. auch Jambo, das tat echt gut und auch die anderen bekannten Gesichter waren immer wieder gut zu sehen. 
    In der Nacht hatte ich echt mit der Müdigkeit und vor allem der Vorstellung, der unendlichen Strecke mit den unzähligen Hügeln zu kämpfen. Aber wo es hoch ging, folgte auch wieder eine Abfahrt und so kämpften wir uns von Kontrolle zu Kontrolle. Zum Glück sollten die Abstände zu den nächsten Kontrollen nicht mehr so lange sein.

    Mein extremstes Tief hatte ich langsam überwunden, aber die Müdigkeit war noch da und die erste Schlafpause noch sooo weit. Mir stellte sich die Frage, wann uns die ersten bereits auf dem Rückweg entgegenkommen sollten.
    Endlich hatte ich mich der Herausforderung angenommen und dachte mir, einfach immer weiter trampeln, körperlich ist alles gut und die Müdigkeit geht doch eigentlich auch noch. Alle kämpfen und außerdem kommt uns keiner holen, wenn wir nicht mehr wollen.

    Eins der vielen Highlights waren die Menschen an der Strecke, welche ihre privaten Verpflegungsstände aufgebaut hatten, die Teilnehmer mit Kaffee und Kuchen verwöhnten und ihren Schlaf für uns opferten. Auch die Kinder durften die Nächte an der Strecke verbringen und die Radler anfeuern. Manche Dörfer waren wunderschön geschmückt. Überall hingen Räder  geschmückt und beleuchtet. Sogar an der Kirche hing ein Rad mit einer Puppe als Pfarrer.

    Bald fuhren wir auch noch durch die Partnerstadt von Nickenich (Eifel), da wurden Erinnerungen an unseren Früh/Füchschenlauf wach, wo wir beim Füchschen gleich mit Bier vom Nickenicher Elferrat versorgt wurden. Über was man sich bei so einer langen Ausfahrt freuen kann...
    So langsam kamen wir weiter und die Kilometer schrumpften langsam aber stetig. Hügel für Hügel, immer schön essen, trinken, pinkeln, Hintern eincremen und Zähne putzen bzw. Hände waschen (welch ein Luxus)!
    Irgendwann erreichten wir dann auch die Kontrolle bei km 525 und wir durften schlafen, denn bis zur nächsten Kontrolle bei 613 km war es zu weit und in der Nacht wurde es sehr feucht und kalt, da wollten wir nicht im Straßengraben pennen.
    Zum Glück bekamen wir gleich eine Pritsche und konnten uns in die Turnhalle - mit unzähligen anderen-  legen. Geplant waren 3 Stunden. Richtig geschlafen hatten wir nicht, aber zumindest ruhig gelegen und etwas erholt.
    Dann ging es ausgerechnet in der kältesten Zeit wieder raus aufs Rad - nicht sehr clever, denn schon bald mussten wir eine weitere kurze Pause einlegen. Zwei Bushäuschen aus Holz mit Bänken gehörten uns, noch schnell in die Rettungsdecke eingewickelt und 20 Min. Augen zu bzw. Untergang geschnarcht. Dann ging es wieder. In dieser Etappe galt es den längsten Anstieg zweimal zu bewältigen (Hin- und Rückweg). Da dieser aber lang und nicht zu steil war, ging es erstaunlich gut und zudem gab es die lieben Menschen an der Strecke mit Kaffee und Kuchen.

    Die ersten kamen uns bereits längst vor der Schlafpause entgegen und waren auf dem Rückweg, aber uns würde es irgendwann auch so gehen und dann würden die noch zu fahrenden km weniger, als die bereits hinter uns liegenden. Das sollte enorm motivieren.
    Nach Brest zogen sich die km und es gab noch ein paar knackige Anstiege zu bewältigen, aber irgendwann erreichten wir die Brücke mit Blick aufs Wasser - Hammer!!!! Das war ein Ausblick und zu wissen, dass man bis dort geradelt ist, das hat sich doch auch irgendwie gelohnt!!!

    Die Kontrolle war noch etwas hin, aber schließlich irgendwann auch erreicht. So ging es endlich auf den Rückweg und ich dachte mir, komm Untergang, wir müssen das zu Ende bringen, noch mal mache ich das nicht!
    Leider ärgerte uns der Antrieb mal wieder und wir mussten erneut die Synchron- und Antriebskette auflegen. Zum Glück hatte ich es während der Fahrt bereits mehrfach geübt und es jedes Mal recht gut hinbekommen. Da macht mir der Untergang am Rad mal nichts vor!
    Die Kurbeln wurden auch zum 1000. mal angezogen und wir hofften, dass sie nicht brechen würden.
    Bald (man verliert das Zeitgefühl total) hatten wir den langen Anstieg und den höchsten Berg zum zweiten Mal bewältigt und die Motivation wurde immer besser. Kam da sogar Spaß auf?! Von Spaß war doch NIE die Rede?!
    Man sah immer mehr Randonneure auf Bänken und in den Straßengräben liegen und zum Teil ähnelten sie Zombies.
    Daher gab es auch manche, die in die Gräben gefahren sind, zum Glück meist ohne schwere Folgen.

    Nun waren wir in der Situation, dass uns Fahrer, welche noch auf dem Hinweg waren entgegenkamen und für den Kopf war das echt gut, die Radler taten mir aber leid.
    Wir kämpften uns tapfer weiter und trampelten unermüdlich in einem angenehmen Tempo, schließlich mussten wir noch lange durchhalten. Lumi und Co. ging es wohl ähnlich. Der Hintern meldete sich langsam, musste aber einsehen, dass es kein Erbarmen für ihn gab.

    Beid den Abfahrten waren wir die Könige und zogen einen ganzen Troß an Radlern in unserem Windschatten hinter uns her und auch in der Ebene war das so. Später konnten die meisten unseren Windschatten bei den Abfahrten nicht mehr halten. Dafür waren wir bergauf die Untergänge... Obwohl soooo laaahm waren wir gar nicht. Als Tandem bekommt man leider keinen Windschatten gespendet, aber dafür darf man viel davon spenden und manche haben sich herzlich dafür bedankt.

    Das Daisy Lied wollte keiner für mich singen. Untergang hat mal ein paar Briten gefragt und die haben es dann auch gleich munter gedudelt, aber das sollte das einzige Mal bleiben.
    Uns wunderte, dass die Beine, Knie, Arme, Rücken und was der Körper noch so hergibt noch keinen Ärger machte und das sollte zum Glück bis zum Ende so bleiben.
    Unterwegs trafen wir die erstaunlichsten Radler mit uralten 3 Gang Stahlrädern und passender alter Kleidung. Auch Klappräder waren dabei, 3-Rad Tandems und 3 Räder. Ein Asiate mit schlechtem MTB in Jeans und Umhängetasche, als führe er zur Schule oder Uni. Respekt, da fehlen mir echt die Worte, wie die das machen.

    Es gab aber auch leider einige Stürze und Teilnehmer die nicht mehr aufrecht gehen konnten. Ich glaube sie mussten nach jedem Stopp wie ein Playmobilmännchen aufs Rad gehoben werden. Aber sie gaben nicht auf. Einige schliefen auch bereits auf ihrem Rad bzw. waren nicht mehr ansprechbar. Zum Glück mussten wir all das nicht erleben, haben aber auch immer sehr auf Gesundheit, Sicherheit und Verpflegung geachtet. Da wurde uns Bewußt, das es uns doch eigentlich ganz gut geht.
    Einen kleinen Umweg ließen wir uns nicht nehmen, als wir uns einmal verfahren haben, das kostete uns ca. 1/2 Stunde.

    Irgendwie ging es dann immer weiter und mit einer weiteren längeren Schlafpause von 3 Stunden (da habe ich endlich tief und fest geschnarcht) bzw. noch eine von 1 Stunde und ein paar 20 Min Nickerchen auf Wiesen und im EC Hotel kamen wir dem Ziel immer näher. Ich war mir langsam sicher, dass wir es tatsächlich schaffen sollten. Wir achteten aber immer auf Sicherheit und so sang ich meinem armen Untergang in der Nacht schreckliche Lieder vor, damit er auf keinen Fall einem Sekundenschlaf zum Opfer fiel. Kleiner Trick, dann ist er auch etwas schneller gefietst, damit das Elend (mein Gesang) endlich ein Ende hat.
    Wir wollten auf keinen Fall einen Sturz bzw. Unfall riskieren und einen weiteren unnötigen Umweg wollten wir uns auch ersparen. Auf den Plattfuß hatten wir vergeblich gewartet und waren auch nicht traurig, dass wir keinen bekamen. 
    Pflegi - aber wenn, dann wäre er oben gewesen - ganz sicher!

    Es ist unglaublich wie die Leute geradezu vom Rad fallen und dann an Ort und Stelle schlafen, bis sie wieder wach werden und erneut aufs Rad klettern. Wir haben unsere Pausen mit Bedacht gewählt, damit wir nicht in der kältesten Zeit irgendwo im Graben pennen mussten und zudem haben wir auch immer die Cut-Off Zeiten im Auge behalten. So sind wir die letzte Nacht durchgetrampelt, damit wir noch etwas Puffer haben und es zum Schluß nicht hektisch wird.

    Irgendwann sagte Untergang "Nun ist der Ritt schon bald - in ein paar Stunden- vorbei"....aber wir sehnten uns nach dem Ziel!
    Einige km haben sich unendlich gezogen, die letzten 10 km gingen jedoch schon fast zu schnell vorbei und dann hatten wir es auch tatsächlich geschafft!!!
    Mit ein paar Tränen vor Glück, Erleichterung und Stolz haben wir unser Tandem im Bike Park geparkt und sind in den Velodrom um unseren letzten Stempel zu holen.

    FINISH!!!!!! 86:17 Stunden (Untergäng und CLD - im/als Team sind wir "richtig" gut!!!

    Nach 2000 mal bon route bzw. bon Courage, 1500 mal Kurbeln nachziehen, 500 mal Hintern cremen, ein paarmal Kette auflegen, 360 Hügel hoch und runter, viele viele Pinkelpausen, ein paar Nickerchen, 2 x Schlafen, 14 Kontrollen und 2 zusätzliche Verpflegungsstellen, einige km auf rauem Asphalt mit fiesen Schlaglöchern und vielen Futterpausen (wer Untergang kennt -weiß es ist eine Herausforderung ihn über diese Zeit und Streck voll gefüttert zu bekommen) und und und
    Es war eine super Veranstaltung - ein richtiges Weltereignis mit aller besten Bedingungen und super Organisation.

    Nach ein paar Stunden schlaf und Dusche im Hotel sind wir dann wieder  ins Velodrom zur Party und haben die meisten alten und neuen Leidensgenossen wiedergetroffen und den Tag ausklingen lassen.
    Kurz noch zum Zombie-Einkauf in den Supermarkt, wo alles anfing nur die Randonneure sahen nun ziemlich gezeichnet und mitgenommen aus. Den Rädern, die vor dem Supermarkt bzw. im Einkaufzenter standen sah man die Strapazen nicht an.

    Es braucht wohl eine Weile um alle Eindrücke zu sortieren und zu verarbeiten, aber eins ist sicher mein Untergang hat mich heil durch den Kurs gebracht und ich bin AFFEN stolz auf ihn!

    Pflegi: ich war mir während des Rennens sicher, dass ich das nie wieder mache, auch nicht für einen Pflegefall...
    Jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher....

    P.S. Zum Eifelturm sind wir dann mit der Metro gefahren und nicht geradelt, dass hat Untergang versprochen, aber ich glaube, wenn wir eine ordentliches Schloß dabei gehabt hätten, hätte ich doch radeln müssen:)
  • Ein toller Bericht eines unvergesslichen Brevets! 
    Chapeau und nochmal Gratulation. 

     :hurra:  :hurra: :hurra:
  • edited 20:35 (25.08.15)

    Haaaaaammmergeeeill.... :shock: DANKE, Daisy... 

    hab beim Lesen mitgefiebert.... :yau:

    Zwar musste ich bei manchen Fremdwörtern gugln (Fietse, planen, usw. :lol: ), aber ansonsten kam ich gut durch.... :lol:
    Ach scheiße... das macht echt Lust mitzumachen... :kopfwand:
    Besonders, da ihr scheinbar mir ChaosBikern umzingelt wart, was bestimmt auf Pflege und mich zutreffen würde... :lol:
    Das ganze schreit nach nem CaBaeVeNT Nr.2... :yau:

    Auch wenn sich das alles noch so locker ließt, das Ding war HARDCORE PUR!!! 86 Stunden, 11000 Höhenmeter, 1250 KM... :shock: :shock:
    Alter... Sprachlos... alles andere wäre gelogen... :shock: :lol: .yau: :cooler: :gott:

    RESPEKT an Dich und dein Äffchen... dem SuperUntergang!!! :yau:



  • p.s.: Ach ja... und hier für Dich als Dankeschön für Deinen Bericht... :yau:


  • edited 20:48 (25.08.15)
     Geil, CaBaMäN! Das hatten wir uns auch schon reingezogen. Davon, daß der Song eigentlich ein Heiratsantrag ist will CrazyDaisy übrigens nix wissen.

    Ach ja, hatte schändlicherweise in meinem Bericht die ultimative Lobhudelei auf CLD vergessen. Schande über mich!
    Also ich bin natürlich auch mächtig stolz auf meine Kleine!!!! Und weil´s mit uns beiden so gut geklappt hat machen wir das vielleicht auch nochmal....
  • Untergang schrieb:
     Geil, CaBaMäN! Das hatten wir uns auch schon reingezogen. Davon, daß der Song eigentlich ein Heiratsantrag ist will CrazyDaisy übrigens nix wissen.

    Ach ja, hatte schändlicherweise in meinem Bericht die ultimative Lobhudelei auf CLD vergessen. Schande über mich!
    Also ich bin natürlich auch mächtig stolz auf meine Kleine!!!! Und weil´s mit uns beiden so gut geklappt hat machen wir das vielleicht auch nochmal....
    Nochmal?? Oder vielleicht etwas Abwechslung und die LEL???? Sind nur 200km weiter ...
    Schöner Bericht CLD!!! Dann kann ich mir meinen sparen ... :) 

  • edited 21:16 (25.08.15)

    Lumi!! DU bist dran... :yau: :thumbs: 


  • Paris-Brest-Paris

    1230 Kilometer - 4 Nächte, 3h Schlaf

    Angefangen hat es mit der Schultersache. Die OP Ende 2014 - mit Triathlon ist mal nix ... Ersatz muss her, und wenn, dann was Besonderes. Auf unseren Brevets (das sind organisierte Langstrecken-Rad ...) geisterte immer wieder der Begriff *PBP* herum, Randonneure mit einem T-Shirt oder einer Signalweste mit Aufschrift Paris-Brest-Paris wurden äußerst ehrfürchtig beäugt. PBP? Könnte das was sein? Unsere Recherche ergab, die PBP war sozusagen die Olympiade der Randonneure: 1230 km, 11000 Hm, das alles wahlweise innerhalb 80, 84 oder 90 Stunden. Um da mitmachen zu dürfen bedarf es vierer Qualifikations-Brevets: 200, 300, 400 und eine zu 600 km. Diese könnten wir ja mal ganz unverbindlich absolvieren, schlug ich Hermann vor, denn ein Startplatz ist auch dann noch nicht leicht zu ergattern. Eins zum anderen ... irgendwann stand es dann fest, wir sind dabei ... Jetzt gab es keinen Rückzieher mehr.   In 90 Stunden sollten wir das Ding wohl rocken, sogar ein paar Schlafstunden wären doch locker drin ... dachten wir ... ein genaues Programm hatten wir nicht ... irgendwie wollten wir alles mal auf uns zukommen lassen, Erfahrung hatten wir ja keine mit so langen Strecken. Einzig die erste Nacht wollten wir durchfahren und in der zweiten und dritten etwas schlafen.... dachten wir ... Ein paar längere Trainingsfahrten, die Zeit bis Mitte August verflog ... und schon war es soweit ...

    Wie ein Lastenesel aufgepackt gehe ich an den Start ... Viele der Randonneure haben kaum was dabei, das waren diejenigen, die ein Supportfahrzeug mithatten, das zwar nicht auf der Strecke mitfahren durfte, aber an den Kontrollstellen war es erlaubt, Athleten zu unterstützen. Ich mit meinem gefühlten + 20-Kilo-Rad und den aufgezogenen 25er pannensicheren Reifen mache jedenfalls niemandem Konkurrenz. Hermann meint, ob ich ihm *SO* überhaupt nachkommen würde.

    Also stehen wir in der sengenden Sonne am späten Nachmittag in Paris am Start, genauer beim Velodrom in Versailles. Pünktlich geht es los in unserem Startblock *G*. An der Strecke stehen Menschenmengen und jubeln. Die Laune ist ausgezeichnet, es gibt viel zu sehen - sei es landschaftlich, denn im hügeligen Umland von Paris geht es durch Wälder und Felder, durch malerische Dörfer, die in ihrer Steinbauweise eher englisch anmuten (so stelle ich mir das jedenfalls vor, denn die LEL steht auch noch auf dem Programm, ob das nach der PBP - vorausgesetzt wir finishen das Ding - auch noch so sein wird?). Viel zu sehen aber auch bezüglich unserer Mitfahrer, bunt gemischt durch die gesamte Weltbevölkerung, da fahren Koreaner, Philippinen, Japaner neben Briten, Amis, Russen, Brasilanern, Bulgaren, ... nicht zu vergessen die drittstärkste Gruppe, die Italiener und darunter eineinhalb Handvoll Südtiroler. Die erste Nacht ist recht kurzweilig, Müdigkeit kommt keine auf. Allerdings habe ich bei etwa Km 120 eine kleine Krise, der Allerwerteste schmerzt irgendwie und die Oberschenkel brennen. Jetzt schon? ... nach nicht mal einem Zehntel Fahrt? Das kann ja heiter werden ... Bei jeder Kontrollstation machen wir gut Halt, nach dem obligatorischen Stempeln der *Randocard* - wehe da fehlt ein Stempel, dann war die ganze Mühe umsonst- gehen wir was essen. Hier treffen wir meistens auf die Meraner, die fast das ganze Südtiroler Kontingent ausmachen. Die Kontrollstellen sind mit allem ausgestattet, was ein Radlerherz begehrt: Essen, Schlafplätze, Mechaniker. Und es gibt etwa alle 80 Km eine solche Station. Zeit bleibt hier gleich mal eine Menge liegen, auch wegen des Schlangestehens. Aber man gönnt sich ja sonst nichts ... Stehen ist immerhin schon mal gut. Vormittags höre ich ein fröhliches "Hallo, da ist ja die Lumi, Juhu!", das waren Untergang und CLD (=Crazy Little Daisy), zwei der "verrückten" Cabnauten-Truppe zu denen ich, Lumacagabi, auch gehöre (www.caba.de), auch Karijambo war irgendwo auf der Strecke. Untergang und CLD sind mit einem Titan-Tandem unterwegs, sagenhaft. Überhaupt überholen wir (oder wir werden überholt) von den verschiedensten Spezialfahrzeugen: viele Tandems, Klappräder, Liegeräder in allen Variationen und ich staune, da sind Läufer auf der Strecke ... Ja, die laufen auf Rädern, schaut aus wie eine Kreuzung zwischen Roller und Crosstrainer. In einer Abfahrt erschrecke ich durch ein undefinierbares Geräusch, so wie von einer rollenden Bowlingkugel ... Hä? Was schießt denn da an mir vorbei? Genau, das exotischste der Spezialbikes: ein Velomobil, ein aerodynamisches Karbongehäuse auf drei Rädern. Irgendwo obenauf lugen zwei Radleraugen hervor. Spaßig, aber bei denen geht die Post ab: Schuss den Berg runter und dann mithilfe der kinetischen Energie den Berg wieder rauf. Und - das hatten wir nicht gedacht- die gesamte Strecke ist ein dauerndes Auf und Ab, Hügel rauf und runter, rauf und runter, ... Auch etwas Gegenwind hemmt unsere Fahrt, es könnte aber schlimmer sein ... Was muss man aber drauf haben, um diese Anforderungen mit einem Drahtesel von 1901, ohne Gänge und in historischer Wollradkluft zu meistern?  
    Wir kurbeln wie vorgehabt 526 Kilometer durch und machen eine Dusch- und dreistündige Schlafpause in Carhaix-Plouguer. In der Turnhalle ist es allerdings ziemlich kühl und ich mache kein Auge zu. Wir lassen uns um drei Uhr wecken und nach kleinem Frühstück geht es auf die letzte Etappe vor Brest. Vor unserem Halbzeitziel liegt auch die einzige ernstzunehmende Erhebung. Der Straßenrand ist in Abständen gesäumt von roten Lichtern, daneben kleine Erhebungen, meist gold- oder silberfarben. Beim näheren Hingucken entpuppen sie sich als in Rettungsdecken gehüllte Radler, die bis zum Umfallen radeln und sich, bevor sie der Sekundenschlaf ereilt, am Straßenrand zur Ruhe betten. Nicht grad angenehm bei nebeligfeuchten 8 bis 9 Grad. A propos Sekundenschlaf. Schon in der ersten Nacht hörten wir plötzlich einen Schrei im Dunkeln. Ein Radfahrer vor uns war im Sattel von der Müdigkeit überwältigt worden, hatte die Gegenfahrbahn überquert und war unsanft im Straßengraben gelandet. Zum Glück nur ein paar Schrammen und eine kaputte Hose. Nicht auszudenken, wenn ein Auto entgegengekommen wäre ... Unsere lange Abfahrt bis Brest ist ziemlich fröstelig. Neidisch gucke ich auf die andere Straßenseite, die Entgegenkommenden sind schon auf dem Rückweg … Es irgendwann wird es Tag, der Atlantik rückt ins Bild und vor uns ragt die Brester Schrägseilbrücke halb aus Nebelschwaden. Juhu, Halbweg ist geschafft. Nur niemandem erzählen, wegen eines Brückenfotos 600 Kilometer mit dem Rad hin und dann dieselbe Strecke zurückgefahren zu sein ... - die könnten frau wohl etwas verrückt halten ... Frühstück in Brest und ich kann es noch kaum glauben, dass es schon zurück geht, war eh nicht so schlimm ... Auch die Meraner machen sich auf den Rückweg, leider muss einer wegen Kniebeschwerden abbrechen. Und auch CLD und Untergang fahren mit uns. Der berüchtigte *Berg* ist harmlos, motivierend, dass nun wir die Zurückfahrenden sind und von der Gegenseite müde beäugt werden. Wir passieren wieder unser Nachtlager und haben vor noch zwei Etappen zu je 80km zu fahren und dann endlich zu schlafen. In vielen Dörfern haben es sich die radsportbegeisterten Franzosen am Straßenrand gemütlich gemacht und feuern die Fahrer an. Und nicht nur das, an Tischen bieten sie Kaffee, Getränke und Kuchen, ... an. Ich habe, glaube ich, insgesamt in meinem Leben noch nicht so viel Kaffee getrunken, wie in diesen dreieinhalb Tagen ... Ich denke, das hat mich aber über die Nächte gerettet. Wir schließen uns einem Grüppchen Deutscher an. Beim Quatschen ... mit Manuela, Martin, Jörg und Charlie vergesse ich, dass nun die dritte Nacht ohne Schlaf für mich anbricht. Unterwegs machen wir Kaffeepause an der Straße, die Leute sind phänomenal, bleiben die ganze Nacht auf. Beim nächsten Halt ist der Schlafraum überfüllt und so bleibt uns nichts anderes übrig, weiter zu fahren, Müdigkeit hin oder her. Vor uns erwischt es wieder einen, ein Spanier touchiert den Bordstein und geht zu Boden. Jörg spricht zum Glück etwas Französisch und telefoniert mit der nächsten Kontrollstelle. Für den Athleten ist die PBP leider zu Ende. Gegen drei Uhr morgens wir dann endlich in Tinteniac. Auch hier kein Schlafplatz mehr. Aber Schlafen muss ich jetzt unbedingt und wir legen uns in einen zügigen Korridor. Ich habe meine Taschen komplett ausgeleert und auf dieser Unterlage versuche ich mich in meine Rettungsdecken zu wickeln. Fehlmeldung. Ziehe ich das knisternde Material vorne über die Schulter, fehlt es an der Rückseite und so weiter. Nach einer halben Stunde habe ich noch keine annehmbare Schlafhaltung gefunden und langsam klappern mir die Zähne vor Kälte. Kurz entschlossen stehe ich auf, raffe meinen Krempel zusammen und wanke zur Schlange der Schlafplatzsuchenden. Und siehe da, es gibt einen Schlafplatz für mich und auch für Hermann. Ich frage mich, ob mein desorientierter erbärmlich zitternder Anblick wohl Wunder gewirkt hat. Es gibt sogar Zimmer und eine warme Decke. Auf die Dusche verzichte ich. Um sieben wollen wir geweckt werden. Sofort umhüllt mich tiefer Schlaf als mich schon wieder jemand am Bein schüttelt und das Zeichen zum Aufstehen gibt. Ich deute ungläubig zurück "sechs?" - "nein, sieben!" Schlaftrunken wursteln wir uns aus den Decken. Um halb Acht sind wir zum Frühstück verabredet, dann geht es weiter. Es ist schön sonnig und ich habe das Gefühl es geht recht flott. Vielleicht ist in der kommenden Nacht noch eine kleine Schlafpause drin? Ich denke nicht an die verbleibende Kilometerzahl, sondern an die fehlenden Etappen und die waren überschaubar: 89, 56 und 140 und noch ein Tag, eine Nacht und ein halber Tag Zeit. Geht doch locker. Der Schock sitzt tief, als Hermann mir sagt, dass wir die nächste Nacht wahrscheinlich durchfahren müssten, um in der Zeit ins Ziel zu kommen ... mir war beim Rechnen eine Etappe mit etwa 80km entgangen. Wie sagte Untergang noch? Nach ein paar schlaflosen Nächten hat man/frau nur noch Wolle im Kopf … Und ein Tag geht so schnell um … da ist es auch recht kurzweilig, wir ratschen mit dem einen oder anderen, unterhalten uns beim Gucken (Überholende und Überholte) und machen eine unterhaltsame Esspause mit den Freiburgern. Und fahren schon wieder in die Nacht. Die Müdigkeit fährt mit. Hermann und ich *verlieren* uns kurzzeitig, *Wolle im Kopf* lässt grüßen. Die vielen Lichter der am Straßenrand Schlafenden lassen mich auch danach sehnen, die Augen zuzumachen. In einem Dorfpark versuchen wir es auch. Hermann schafft es einzuschlafen, ich wälze mich wieder schlaflos in meiner Folie. Ich gehe einen Kaffee trinken und wecke Hermann. Weiter geht es, bis nach einer Weile meine Augen wieder überkreuz gehen. Ein weiterer vergeblicher Schlafversuch. Weiter. Jetzt wird es zumindest hell und die letzte Station winkt. Und dann nur noch überschaubare 60 Kilometer. Wir treffen auf Paolo, der uns eine traurige Geschichte erzählt: vor Brest war ein Athlet in den Straßengraben gefahren, er hatte ihn versucht wiederzubeleben, aber wahrscheinlich ohne Erfolg. Herzinfarkt. Ich brauche nochmal eine kurze Rast und dann ist der Schlaf überwunden, denn es beginnt auf den letzten 20 Kilometern kräftig zu regnen und es ist ziemlich kalt. Hatten wir aber auch ein Glück, unvorstellbar, wenn es einen Großteil der PBP geregnet hätte ... Glücklich fahren wir ins Ziel nach 87h und 59Minuten. Untergang und CLD sind schon längst da, ebenso die Meraner und auch die beiden mit den historischen Rädern sind schon drei Stunden vor uns da gewesen. Hatten wir auf der ersten Hälfte einen recht flotten Schnittgehabt, so hatten wir auf dem Rückweg ziemlich an Schwung verloren und sind im Nachhinein erstaunt, wo überall Zeit liegen bleiben kann … Vermutlich hatten wir gemäß dem Motto auf dem Shirt eines Athleten „Radeln, essen, schlafen“ die Mitte am meisten gewichtet …  Das kann allerdings nur eines bedeuten: NOCHMAL  … oder vielleicht doch die London – Edinburgh – London, kurz LEL, die ist nur 200km weiter ..., die Mille Miglia ist aber eher in unerreichbare Ferne gerückt. Auch Hermann ist nach den unvergesslichen Erfahrungen bei der PBP doch nicht ganz abgeneigt weiterhin Rad zu fahren, heute wollte er sich ein Rad ganz unverbindlich anschauen gehen …

     

     

  • Super Bericht Lumi..
    bin mal gespannt, wie lange es dauert, bis er das Rad ganz unverbindlich gekauft hat..
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