Medoc

Hallo, Cabanauten.

Au weia: warum mach ich sowas nur :?: :?: :?: :?: :?:

Fliege Morgen nach Frankreich, um zu trinken, laufen und zu speisen...

nicht ohne schönes Kostüm: die pink Lady von Caba kann ich nicht toppen, aber als Krankenschwester lehre ich die Franzmänner das Fürchten!!!!
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Dumm nur, daß mir aufgetragen wurde, daß meine Beine einer Krankenschwester entsprechen sollen: Die schlimmste Prüfung:

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MEine Beine sind nun glatter als ein Babypopo....

Werde einen scönen roten (oder auch zwei oder drei)auf die Cabanauten kippen!

Adieu!! :D :D :D :D
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Kommentare

  • :francais: :francais: :francais: :wein: :wein: :wein: :wein:

    indy, bei den beinen... wird der killa schwach werden :lol: :lol: :lol: :lol: :lol:

    warum erfährt die welt erst jetzt von dem medoc?!

    ich wünsch dir viel erfolg und guten durst!!!

    das thema medoc wurde ja an anderer stelle hier auch schon mal besprochen...
  • ähem: ehrlich gesagt: mir ist erst heute eingefallen, daß blanke Beinchen und Damenoutfits prima ins Caba-Forum passen...

    hab ich den medoc-Thread verpaßt???
    Über "suchen" hatte ich nur Einträge in Trainingsbloggs gefunden (die lese ich viel zu wenig :( :( :( )

    Wenn es gewünscht wird, stell ich einen schönen Bericht ein - vielleicht mit ein paar Bilderchen :francais:
  • ähem: ehrlich gesagt: mir ist erst heute eingefallen, daß blanke Beinchen und Damenoutfits prima ins Caba-Forum passen
    Schon lange mein Reden, nur der Loco ziert sich noch ein wenig.
    Viel Spass beim Medoc - ich trink heute schon mal einen Roten auf dein Wohl und noch einen auf gutes Gelingen. Solcke Opfer bringe ich .....

    Grüßle
    Killa
    Beer. Bikes. Boobs. Burritos.
  • Viel Spass beim Medoc - ich trink heute schon mal einen Roten auf dein Wohl und noch einen auf gutes Gelingen. Solcke Opfer bringe ich .....

    Grüßle
    Killa
    Das ist gut!!! Lebensmittelopfer stimmen die Götter milde: will doch schönes Wetter haben, damit das schön knallt!!! - genau nach Trainingsplan: der letzte lange Lauf vor Berlin sollte was extremer werden 8)

    Bin mal gespannt, bis zu welchem Weinstand ich kommen werde :bia:

    In dem Sinne *prost* und bis nächste Woche :D
  • Na eeeennndlich.... :mrgreen:

    Wir wahren MÄNNER stehen zur unserer weiblichen Seite, isset nich so, Indy?!?!? :mrgreen:

    Watt is, Männer ? HER MIT EUREN TUNTENOUTFITTS !!!! :doppellol:

    Kacke... das mit dem MEDOC hab ich total vergessen... da wär ich gerne mit dabei gewesen.. :cry:

    Aber das bedeutet für Dich, mein lieber Indy....

    SAUF FÜR UNS ALLE KRÄFTIGST MIT !!!!!

    p.s.: siehst lecker aus.... :twisted: :twisted: :twisted:

    Wer will findet Wege, wer nicht will, der findet Ausreden

  • der indy läuft auch in berlin?!?!?!?!?!?!
    wenn ich meine beine nicht noch brauchen würde, tät ich sie jetzt wegen dem rumgezicke abhacken und verbrennen...
    indy und feucht starten beim berlinmarathon und ich war gemeldet... :cry: :cry: :cry:

    das mit dem medoc is irgendwo im xtremkrankimhirn... angedacht war, dass wir als asterix und co laufen... lgee als "gutemiene" :D :lol: war schon eine konkretere idee!

    @killa: ich hab eben zu viel(eigentlich immer) negative rückmeldung von frauen bezüglich der beinhaare bekommen(ich laber immernoch alle möglichen frauen deshalb an!!!). da steht momentan 'ne quote von 1:35 oder so! und die 1 is ne ex von mir...
    aber ich hab letzte woche versucht, meine beine zu rasieren... problem war, das ich oben und unten verwechselt habe... jetzt haben wir beide die gleiche "frisur" :D :D :D :D

    @caba: dann bist du nächstes jahr dabei?!
  • aber klar... siehe HIER :mrgreen:

    Wer will findet Wege, wer nicht will, der findet Ausreden

  • hääte ich gewußt, was ich hier lostrete.....dann hätte ich den Thread früher gesetzt :lol:

    hehe: meine Freundin hasst aber meine rasierten Schenkel :cry:
  • hehe: meine Freundin hasst aber meine rasierten Schenkel
    ...
  • Ja dann viel Spass beim Rotwein- Marathon und mach uns einen schönen Bericht, damit wir wissen, was uns nächstes Jahr dort erwartet!!!!
  • Wow: der Indy ist voll verrückt und hat glatt den Marathon im vollen Kostüm absolviert (mannomann: das Polyesterzeug atmet wirklich nicht) - bin mit meiner mobilen Sauna durch das Weinanbaugebiet gezuckelt (Maximalpuls 195 - meine HFmax liegt bei 205) und habe es doch überlebt: in 5:54:41h

    Bilder und Bericht folgen noch!
  • :gut: :biggthumpup: :zustimm: :biggthumpup: :gut: :biggthumpup: :zustimm: :heiss: :heiss: :heiss: :heiss:

    sehr schön, sehr schön!!! und zu dem kostüm kommt dann noch der alk... da steigt der puls, ganz klar (@all: ich glaub ja, dass der indy einfach sein kostüm viel zu aufregend fand und deshalb ein so hohen puls hatte :lol: :lol: :lol: )
  • überzeug Dich selber (das erste offizielle Bild vom Marathon):

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    das Bild, was ich mit den beiden Playboybunnies gamcht habe, stelle ich dann irgendwann später mal ein :D
  • Cool... :respekt: :respekt: :respekt: :respekt: :respekt:

    Bin ja mal auf dein Bericht samt BunnyBildern gespannt... :mrgreen:

    Wer will findet Wege, wer nicht will, der findet Ausreden

  • Na, dann will ich mal einer der beiden Schulden nachkommen....also erst das Wichtige:

    BUNNIES!!!

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  • Hi!

    Bin neu hier und eigentlich über den Bericht über den Tough Guy 2006 hier drauf gestoßen.

    Beim Médoc dieses Jahr war ich auch dabei ... lief allerdings ganz anders als erwartet. 6:35, aber nicht, weil ich etwa unterwegs so viel gesoffen hätte ... Ich wär bei der Affenhitze fast abgenippelt, und an den Sch###-Verpflegungsständen gabs kein Wasser ...

    Wenns wen interessiert, stell ich bei Gelegenheit gern mal nen Bericht rein.

    Sláinte,

    Bernd

    .
  • Yow, Endorphinjunky.

    Da wir von Indy bisher nur Photos bekommen haben, harren wir gerne Deines Berichtes, den Du bitte schnellstmöglichst einstellen mögest.

    Wir sind hier nämlich alle berichtegeil :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol:
  • nana.....höre ich da leise Kritik, LGee?? :wall:
    nach dem Bild kam so gar keine Reaktion der Community, sodaß ich den Bericht erstmal weiter weg geschoben habe (habe auch kein internet @home momentan :cry: :cry: :cry: :cry: :cry: -hoffe, das wird dieses Jahr noch was....)

    Aber wäre nicht böse um einen Bericht vom Junkie :twisted:

    => auch mich hat die Hitze völlig alle gemacht (naja, Hitze und dieses nicht wirklich atmungsaktive Kostüm...hätte mir besser Cabas Röckchen vom TG geliehen :P
  • @ Endorphinjunkie

    wellgekomme in's Forum... :mrgreen:

    Also, Ihr beiden, aber natürlich her mit euren Berichten!! Wir laufen doch alle nächstes Jahr beim Medoc mit !!! :)

    @ Indy

    Nächstes Jahr Outfit wäre doch DEIN AVATAR ein absolutes Vorbild?? Ein schönes Neomgrün und keine Überhitzungsgefahr... :mrgreen:


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    Wer will findet Wege, wer nicht will, der findet Ausreden

  • ich wußte, daß Dir das Avatar gefällt :D :D :D

    das habe ich nem Kumpel mit einem komischen Sinn für Humor zu verdanken (die Sau!!) - wenn ich wieder von nem richtigen Compi aus im Netz bin, hat das Bild auch bessere Qualität :twisted:
  • Indy, Dein Outfit ist für den Médoc absolut ideal, mehr Klamotten ist tödlich!

    Warum? Nun - einfach lesen:

    (Bevors losgeht, sollte ich vielleicht noch erwähnen, daß ich diesen Bericht in etwas abgewandelter Form schon in meinem Lieblings-Laufforum gepostet hatte - ich hoffe, das nimmt mir hier keiner krumm, aber einen zweiten zu schreiben bring ich einfach nicht mehr fertig :roll: )


    Also: Der Médoc-Marathon 2006

    Untertitel: Und erstens kommt es anders …

    oder

    „Warum das Death Valley des kleinen Mannes gleich hinter Saint Julien beginnt“

    Der Médoc-Marathon … tja, wo fängt man da an?

    Am besten ganz von vorne.

    Ich laufe gerne lange. Richtig lange. Marathons sind genau mein Ding, einfach stundenlang in der Pampa rumrennen und den Brägen abschalten. Noch geiler isses, wenn der Marathon irgendwas Besonderes zu bieten hat, und wenn man so schräg drauf ist, paßt der Médoc natürlich perfekt ins Konzept.

    Erstes Hindernis: Die Anmeldeprozedur. Erfordert eine gewisse Kniefieseligkeit und zumindest Grundkenntnisse in Französisch (der SPRACHE natürlich, Ihr Dödel! :D ). Die lief dann aber wider Erwarten reibungslos, und im Frühjahr hatte ich plötzlich eine Startnummer!

    Zweites Hindernis: Anreise und Kulturschock:

    Samstag, 2. September. In aller Frühe ging es in Richtung Bordeaux. Eine Woche vor dem großen Ereignis, das würde mir hoffentlich ausreichend Gelegenheit geben, mich zu akklimatisieren; immerhin tauschten wir doch hoffentlich das miese und viel zu kalte Wetter Deutschlands gegen ein bedeutend milderes Klima in Frankreichs Südwesten.
    Zu lange durfte der Akklimatisierungszeitraum andererseits auch wieder nicht sein, da die zur Marathonvorbereitung eindeutig suboptimale französische Küche einem Trainingseffekt eindeutig entgegenwirken würde :D

    Zwischenübernachtung in Beaune / Burgund. Eine ideale Gegend, um den Metabolismus schon mal an die fremden Genüsse zu gewöhnen. Foie Gras mit getoastetem Pain d’Epices und Salat, danach Ente, abschließend Eis und vor allem (natürlich nur zu Trainingszwecken) ein süffiges Weinchen. Irgendwie markierte Beaune die magische Grenze, ab der man all diesen fetten französischen Schweinereien nicht mehr entkommen konnte … Carboloading? Könnte schwierig werden :?

    Am nächsten Tag dann die schwierigste Etappe über das Charollais, das Limousin und schließlich das Perigord in Richtung Bordeaux. Ein guter Teil der Strecke ist Landstraße, und permanent wird man durch einladende Schilder am Straßenrand mit den kulinarischen Besonderheiten der Regionen konfrontiert … Es dauerte nicht sehr lange, und ich hatte komplett verdrängt, dass ich eigentlich einen Marathon laufen wollte. Meine mühsam antrainierte Disziplin in Bezug auf gesunde Ernährung (ist ne ganz andere Geschichte, erzähl ich bei Gelegenheit mal) hatte schon in Beaune einen beträchtlichen Schaden erlitten, aber nun begann sie mit jedem Kilometer mehr und mehr abzubröckeln, und spätestens im Perigord hatte mich die schiere Fresslust vollends im Griff.
    Am liebsten wäre ich gleich dort geblieben (Bergerac hat ja soooo tolle Feinkostgeschäfte …), aber leider hatten wir ja ein Hotel bei Bordeaux gebucht. Blöd, das, und wieso eigentlich Bordeaux? Ach so, ja, da war ja noch was – war da nicht so ein Marathon? Irgendwie schon, also weiter gen Westen.

    Bordeaux empfing uns mit strahlendblauem Himmel und frühlingshaften 34 Grad :eek: Mannomann, das volle Kontrastprogramm zu Deutschland. Und in der Affenhitze Marathon laufen? Na ja, mal sehen, ist ja noch fast ne Woche bis dahin.

    Mit unserem Hotel kam dann noch eine weitere Verführung ins Spiel, sich dem süßen Nichtstun zu ergeben, den Marathon sausen zu lassen und einfach nur zu genießen … Das Hotel „Château Grattequina“ in Blanquefort, nördlich von Bordeaux direkt an der Garonne gelegen, inmitten von weiten Feldern, ganz ruhig und einsam, ein Traum von einem Schloß aus dem 19. Jahrhundert, das ideale Ambiente, den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen und einfach nur zu genießen, genießen, genießen …

    Und was es da erst Restaurants gibt! Unfaßbar, unglaublich. Man wacht morgens auf und denkt schon an die Speisekarte für den Abend, ganz zu schweigen von all den kleinen Schweinereien mittendrin. Und diese Weine! Bisher hatte ich Rotweine immer gemieden, weil sie mir meistens auf den Magen schlugen, aber im Médoc – keine Spur davon!

    Was für ein wunderbares Land, dieses Frankreich. Der Spruch „leben wie Gott in Frankreich“ hat schon seine Berechtigung!

    Irgendwann drang dann aber doch eine dünne innere Stimme durch die rotweinbenebelten Windungen meines Foie-Gras-verfetteten Hirns … und wurde lauter … und lauter … und mahnender … und eindringlicher … bis ich sie auch nach höheren Dosen Rotwein nicht mehr ignorieren konnte: „Der Médoc-Marathon“ rief sie, und prompt kam das schlechte Gewissen :oops:

    Diese blöde Veranstaltung war ja eigentlich mal meine Grundmotivation gewesen, mit dem Marathonlaufen anzufangen. Wär schon doof, sie jetzt abzublasen, mit der Startnummer in der Tasche und keine 5 Tage und 40 km mehr davon entfernt …

    Aber diese Hitze! Und außerdem: Saufen und fressen kann ich doch auch so, ohne das Laufgedönse drumherum … Papperlapapp, Weichei! Du wolltst das so, und jetzt hastes. Gelaufen wird, und damit basta!

    Hab ich mich also in meine Laufklamotten gezwängt (kann man in 3 Tagen 5 Kilo zunehmen?) und mich ein Probestündchen lang durch die Mittagshitze gequält. Kann nicht mal jemand das große Licht da oben ausmachen? Datt brennt doch so …
    34 Grad, comme toujours, kein Wölkchen am Himmel, kein Lufthauch. Nach 30 Minuten die erstaunte Feststellung: Boh, ich schwitze ja gar nicht mehr! Kunststück, war ja auch schon alles an Wasser draußen. Die Hitze war unbeschreiblich. Am Ende dieser ersten Probelauferei schlappte ich mit einem 8er Schnitt kaum schneller als ein Fußgänger, aber mein Puls war schon im GA3-Bereich. Marathon? Unter diesen Bedingungen? Dolle Sache.

    Am Abend, bei einem wie üblich gleichermaßen exzellenten wie fett- und alkoholreichen Essen relativierten sich die Befürchtungen dann schnell wieder: Och, wirschonischsoschlümmwerdn … :lach:

    Nach dem gleichen Schema folgten dann noch zwei weitere Probelaufereien (oder sollte ich sagen: Probewalkereien?), und jedes Mal sorgte der gute Médoc-Wein wieder für eine positive bis leicht optimistische Grundstimmung.

    Freitag, 8. September. Auf nach Pauillac, Startunterlagen abholen.

    Ein paar Tage vorher hatten wir uns dieses verträumte kleine Städtchen inmitten von Weinbergen schon mal angeschaut. Wirkte ein bisschen verschlafen und provinziell; hier soll ein Marathon stattfinden? Am Tag der Startnummernausgabe sah das dann alles ganz anders aus: Was für ein Treiben! Wer hätte gedacht, dass man in so ein kleines Provinzkaff so viele Menschen reinbekommen könnte?

    Die Organisation präsentierte sich professionell, wie man das bei Marathonveranstaltungen gewohnt ist. Ich gab meine Meldebestätigung ab und kassierte dafür eine Tüte mit dem üblichen Info- und Werbematerial, meiner Startnummer mit integriertem Chip, einem schwarzen T-Shirt mit orangefarbenem Aufdruck und ich-weiß-nicht-was-noch. Beim Verlassen der Halle wurde ich außerdem mit Adidas Werbegeschenken regelrecht zugeschmissen (5 Spraydosen Deo? Hab ich so gemüffelt?), und es kamen auch noch diverse Medoc-Marathon-Devotionalien dazu, so dass ich erstmal schwer zu schleppen hatte.

    Ein paar Bekannte aus der Laufszene traf ich auch noch, und zusammen erkundeten wir dann das ganze Drum und Dran des Marathons wie Start, Ziel (gar nicht so leicht zu finden, wie man glaubt, aber dazu später mehr), Umkleiden und Duschen, Massage- und Erste-Hilfe-Zelt, aber auch alle möglichen Verkaufsstände mit regionalen Spezialitäten (womit wir wieder beim Essen wären).

    Was uns die ganze Zeit beschäftigte, war die Sache mit der Verkleidung. In den Unterlagen und auf der Homepage bekam man es ja hin und wieder durch die Blume mitgeteilt: Leute, Ihr solltet verkleidet laufen! Vergleiche mit organisiertem rheinischen Frohsinn zur Karnevalszeit kamen auf und schafften Bedenken … Was tun, sprach Zeus? Wir einigten uns auf eine hitzetaugliche Minimallösung, um formell den Anforderungen Genüge zu tun: Eine Matrosenmütze für meinen Kumpel Peter, eine Groucho-Marx-Brille mit Nase für mich.

    Beim Marathon selbst kam ich mir dann doch ziemlich blöd vor, aber dazu später mehr.

    Nachdem also die Verkleidungsfrage fürs erste gelöst war, ging es zur Pasta-Party. Repas „Mille Pâtes“, was soviel heißt wie „Tausend Nudeln“-Essen.
    Wir fuhren zum Nachbarort Beychevelle und parkten dort hinter dem Château Ducru-Beaucaillou, wo das Essen stattfinden sollte. Limitierung auf 1450 Teilnehmer, Kleidung und Atmosphäre zwanglos.

    Zunächst einmal hieß es allerdings warten. Um 18:30 sollte der Abend mit einem Aperitiv beginnen, aber das zögerte sich deutlich hinaus. Nun ja, wer glaubt, sich in Frankreich auf so etwas wie Pünktlichkeit verlassen zu können, der sollte besser in Deutschland bleiben … :roll:

    Nachdem die 1450 Gäste vollständig vor den Pforten des Schlosses angetreten waren, wurde uns endlich Einlaß in den Schlossgarten gewährt, wo in einem riesigen Festzelt das Essen stattfinden sollte. Den Aperitiv gab es auf dem Rasen davor im Stehen, ein merkwürdiges, Martini-ähnliches Gebräu, dessen Namen mir glücklicherweise wieder entfallen ist und das bei etlichen Teilnehmern keinen besonderen Anklang zu finden schien: Viele standen mit ungeleerten Gläsern und betretenen Gesichtern herum und überlegten kurz, wohin sie mit dem Zeug sollten, bis man schließlich reihum sehen konnte, wie der Inhalt der Gläser den Rasen düngte … :D

    Musikalische Untermalung gab es auch, und sie war der Qualität des Aperitivs durchaus angemessen: Eine recht dilettantische Saxophon-Gruppe quälte uns mit Darbietungen, die im ersten Augenblick seltsam vertraut klangen, bis sie sich dann als grausam entstellte Stücke von Madness entpuppten …

    Wie zu erwarten war, verzögerte sich auch das Abendessen beträchtlich. Die Menge bewegte sich langsam, aber merklich auf das Festzelt zu, aber die Ordner vor den Eingängen wichen keinen Millimeter. Da, endlich, auf ein geheimes Zeichen hin wurden die Eingänge freigegeben. Zu dem, was nun folgte, sei anzumerken, dass es keine Platzkarten und keine reservierten Plätze für Otto-Normalläufer gab; lediglich die VIPS hatten ihre eigene, abgetrennte Ecke.

    1450 hungrige Marathonläufer und –angehörige stürzten sich auf die Tische. Es entbrannten tumultartige Szenen; an so etwas muß Reinhard Mey gedacht haben, als er das Lied von der großen Schlacht am kalten Buffet schrieb! Familien wurden auseinander gerissen, Kinder von ihren Eltern getrennt, es war wie beim Untergang der Titanic, beim Kampf um die letzten Rettungsboote. Ach so, ja, es ging wirklich nur um die Sitzplätze, gar nicht mal um das Essen; wider Erwarten gab es nämlich kein Buffet, sondern das Essen wurde serviert. Serviert? Tausend Nudeln? Hmm – haben die am Ende vielleicht gar nicht tausend Nudelsorten gemeint, sondern tausend einzelne Nudeln?

    Die Szenerie hatte schon was skurriles. Einzelne stürmten vor und versuchten, ganze Tische für ihre Gruppe in Beschlag zu nehmen. Das hatte was vom morgendlichen Liegsetuhlreservieren auf Malle; unerwartet, so typisch deutsche Regungen mitten in Frankreich, wo doch die Deutschen in dieser Runde eindeutig in der Minderheit waren.

    Unsere Vierergruppe hatte es relativ einfach. Der erste Tisch, den wir ergatterten, lag direkt vor einem Lautsprecher, also zogen wir weiter ans ruhige Zeltende und kamen dort bei einer lustigen Gruppe Franzosen unter, die aus der Karibik angereist waren. Wir saßen noch nicht richtig, da waren wir schon mitten im Gespräch, kannten alle beim Namen, wussten, wo sie herkamen, und warum es auf einer Karibikinsel schwierig ist, längere Strecken zu laufen (es gibt dort nur Berge, und die einzige ebene Strecke ist das Rollfeld des Flugplatzes).

    Ziemlich schnell rollte dann der erste Gang an: Nudeln mit Garnelen, wenn ich mich richtig erinnere, und mit exotischen Gewürzen. Klang zunächst mal gut, schmeckte aber nur mäßig.
    Überhaupt war das Essen an diesem Abend nicht so sehr der Bringer; vielleicht war ich aber auch einfach auf einen bestimmten Foie-Gras-Pegel eingestellt und litt unter Entzug.

    Was es dann aber mehr als rausriß, war der Wein. Oh, falsch. Nicht der Wein (Singular), sondern die Weine, also Plural. Und was die alles aufgetischt haben! Dauernd standen neue Flaschen auf dem Tisch, und eine war besser als die andere! Zum Schluß konnten wir die Flaschen gar nicht mehr leertrinken, bevor neue kamen – lauter edle Gewächse der umliegenden Chateaus. Alleine von den Weinen her war der Abend sein Geld mehr als wert; eine solche Qualität in solchen Mengen bekommt man als Otto Normalverbraucher niemals auf einmal auf den Tisch. Unser Liebling war ein Tropfen, der gar nicht mal soooo teuer ist, ein 1997er Château Branaire Grand Cru Classé, der ging runter wie Wasser, und ein Bukett hatte der! Fruchtig ohne Ende; mir fehlt leider das professionelle Vokabular, um all die Sinneseindrücke zu beschreiben, deshalb sag ich es ganz salopp: Der war einfach nur geil!

    Die Stimmung im Saal war schnell auf Hochtouren. Fast überall wurde gesungen, die Band hatte ziemlich schnell nichts mehr zu tun. Eine kanadische Gruppe tanzte auf dem Tisch. Wenn ich doch nur ein paar mehr französische Volkslieder könnte … Die obligatorischen chevaliers de la table ronde, ok, aber dann hörts auch schon auf.

    Kurz vor zehn war ich hackedicht :scherzkeks: und fand, es sei an der Zeit, den Nachtisch sausen zu lassen und lieber ins Hotel zurück zu fahren und ein bisschen zu pennen; war ja immerhin 45 Minuten Fahrt. Was für ein Glück, dass meine Chaffeuse nüchtern geblieben war!

    Samstag, 9. September. Der große Tag.
    Zögerlich öffnete ich die Augen. Kater? Fehlanzeige. Nö, es ging mir richtig gut. Also in die Laufklamotten, Bündel gepackt und ab nach Pauillac. Als wir durch Saint-Julien kamen, dem letzten Ort vor Pauillac, wurden gerade lange Reihen von Verpflegungstischen aufgebaut. Ein Gabelstapler fuhr eine Palette Mineralwasser heran. Wow, die lassen sich ja nicht lumpen …
    Aber der Untertitel der Geschichte heißt schließlich „Und erstens kommt es anders“, aber dazu später mehr!

    In Pauillac war es erwartungsgemäß schwer, überhaupt einen Parkplatz zu finden. Autos, Autos, Autos, wohin das Auge blickt. Durch puren Zufall bekamen wir dann sogar einen Premiere-Parkplatz nicht weit vom Start, das schien schon mal ein gutes Omen zu sein.

    Kurz nach acht, also noch anderthalb Stunden Zeit. Wir setzten uns auf die Terrasse eines Hotels direkt am Start, tranken erstmal einen Kaffee und schauten uns das Treiben um uns herum an. Unfaßbar. Der Medoc-Marathon hat mit rheinischem Karneval und all seinen Schattenseiten ungefähr so viel zu tun wie Foie Gras mit gesunder Ernährung …
    Alle Hinweise des Veranstalters auf Verkleidungen waren keine vesteckten Aufforderungen, wie wir das gedacht hatten, sondern wohlgemeinte Warnungen: Leute, verkleidet Euch lieber, Ihr kommt Euch absolut bekloppt vor, wenn Ihrs nicht tut! Und genauso wars. Ich bin nun wirklich kein Humbatätärää-Typ, aber was hab ich mir in den A**** gebissen, dass ich mir nix Originelles überlegt hab.

    Was sich die anderen für eine Mühe gegeben haben, wie viel Herzblut da jeder investiert hat. Und was da für Mannschaften aufgetreten sind, die haben zum Teil riesige fahrbare Boote, gedeckte Tische und ähnliches bei sich gehabt. Eine Sänfte wurde von 4 Trägern im Laufschritt angeschleppt, eine venezianische Gondel war zu sehen. Nein, das hat nichts, aber auch wirklich gar nichts mit angeordneter Fröhlichkeit zu tun, das ist einfach Party, Stimmung, Kult, Spaß. Ohne Verkleidung oder mit lächerlicher Minimalverkleidung kam man sich da einfach fehl am Platz vor, irgendwie wie eine Spaßbremse.

    Kurz vor halb zehn standen wir dann im Starterblock, irgendwo mittendrin, direkt neben Asterix, Obelix (natürlich mit Hinkelstein auf dem Rücken!), Miraculix mit weißem Rauschebart und einem römischen Legionär mit Speer. Später während des Laufs ist sogar eine ganze römische Kohorte in voller Rüstung an mir vorbei gerast …

    Um 9:40 waren wir immer noch nicht gestartet, der Kommentator war noch am labern. Um den Läufern die Wartezeit zu versüßen, hat man entlang des Starterblocks auf Podesten ein paar dekorative junge Mädels in Matrosenkostümchen postiert, die wohl einer örtlichen Ballettschule angehörten und dort oben zur Freude der johlenden Menge eine Art Schleiertanz aufführten.
    Dann ging es endlich los. Der Sprecher zählte an, und beim Start ging über jedem Podest eine bengalische Fackel an und es ergoß sich ein Konfettiregen auf die Starter.

    Das Feld setzte sich wie zu erwarten sehr langsam in Bewegung, und im Starttor drückten wir unsere Forerunner ab. Wir joggten langsam die Straße entlang (die Richtung hatte sich entgegen dem Plan in den Startunterlagen geändert), stadtauswärts gab es noch einmal einen kurzen Stopp, dann ging es langsam weiter nach Süden. Die Temperatur lag etwas oberhalb 20 Grad, der Himmel war wolkenlos, und noch spendeten Häuser und Bäume etwas Schatten. Ich hatte mir vorgenommen, die Halbmarathonmarke ganz gemütlich bei 2:30 zu passieren, um in der zweiten Hälfte für alle dargebotenen Gaumengenüsse genügend Reserven zu haben. Aber wiegesagt: Erstens kommt es anders ….

    Bei km 4 waren wir immer noch im 9er Schnitt unterwegs. Echt lästig, das. Wege durch Weinberge sind halt nun mal nicht für 8000 Läufer gemacht. Meistens war man gehend unterwegs, schlichtweg weil die Masse an Menschen für Laufen zu dicht war. Manchmal kam dann auch noch eins dieser „Gefährte“ von hinten und zwang einen, am Rand stehenzubleiben … Schon komisch: Fahrradbegleitungen verbieten sie, aber diese riesigen Karnevalswagen, die teilweise von einem guten Dutzend Läufern bewegt wurden und die vor allem auf abschüssigen Strecken schwer zu kontrollieren waren, lassen sie zu …

    Als wir uns Saint Julien näherten, war ich schon rechtschaffen naßgeschwitzt, trotz langsamsten Tempos. Wie gut, dachte ich, das war doch das Kaff, wo sie das ganze Mineralwasser aufgebaut hatten! Wir liefen in den Ort hinein, der erste Tisch kam --- leer! Der zweite Tisch --- leer! Und so ging es weiter. Nirgendwo gab es Wasser, alles war weg :eek: Wir waren eigentlich gut im Mittelfeld, das heißt, das Wasser hat gerade mal für an die 3000 Läufer gereicht!

    Frust kommt auf. Bei diesen Temperaturen ist Wasser überlebenswichtig, und nicht nur ein paar Tröpfchen! Wie soll das weitergehen, wenn es schon am Anfang keins mehr gibt?

    Im Ort ein offener Eingang in eine Halle. Ein paar Läufer rennen rein, kommen mit Mineralwasserflaschen wieder raus. Man hat dort wohl eine Arte eiserner Reserve entdeckt. Ich laufe auch rein, nix mehr da! :angry:

    In der Ortsmitte hat sich eine mitfühlende Seele erbarmt und den Hydranten aufgedreht. Es spielen sich ähnliche tumultartige Szenen ab wie am Vorabend, als es um die Sitzplätze ging. Läufer heben leergetrunkene Flaschen von der Straße auf und versuchen, sie am Hydranten zu füllen. Ich bekomme einen leeren Plastikbecher hingehalten, nehme ihn dankbar an, kann ihn halb füllen und leertrinken. Viel zu wenig, aber ich muß weiter.

    Zweite Verpflegungsstation, das gleiche Spiel. Kein Wasser mehr da, nur noch Wannen zum Anfeuchten der Schwämme. Ich sehe Leute Wasser aus den Wannen schöpfen und trinken; so was bringe ich nun doch noch nicht fertig …

    Ein Anwohner hat in seinem Vorgarten den Gartenschlauch aktiviert und füllt bereitwillig alles, was ihm an Gefäßen hingehalten wird. Man muß sich fast um ein paar Tropfen prügeln, und alles kosten Zeit …

    Wieder etwas später, andere Anwohner spendieren ihre eigenen Mineralwasservorräte. Ich lasse mir den Becher füllen und erbitte eine leere Flasche, da ich keine Laufflasche dabei habe. Mit der Flasche im Arm laufe ich weiter, in der Hoffnung, irgendwann noch etwas Wasser zu bekommen. Das wird mein vorherrschender Gedanke während des gesamten restlichen Laufs werden: Wasser! Die offizielle Wasserversorgung ist angesichts der Temperaturen von > 30 Grad eine absolute Katastrophe; ohne die freundlichen Anwohner, die aus Flaschen, Gartenschläuchen, Hydranten Wasser zur Verfügung stellen, wäre der Lauf definitiv nicht zu machen gewesen. Und wo immer es Wasser gibt, die gleichen Szenen: Knäuel aus verschwitzten Läufern mit roten Gesichtern, die sich schier um ein paar Tropfen prügeln, und das ist wirklich nicht übertrieben!

    Das Ziel der zweieinhalb Stunden für die halbe Distanz habe ich schnell aufgegeben. Der Zeitverlust auf den ersten Kilometern, dazu die Wartezeiten beim Wasserholen sind uneinholbar. Das Interesse an irgendwelchen Gaumenfreuden schwindet von ganz alleine, es zählt nur noch der Gedanke an Wasser und an diese unglaubliche Hitze.

    Wieder ein Verpflegungsstand. Wasser? Nö, natürlich nicht, aber dafür Wein. Wer zur Hölle trinkt unter diesen Bedingungen überhaupt noch Wein???? Ich treffe eine Bekannte; sie fragt mich: Hast Du Wasser? Ich geb ihr welches ab, meine Flasche ist gerade zum Glück halb voll.

    Bei der 10 km Markerung noch eine weitere Besonderheit des Medoc-Marathons: Mein Forerunner zeigt fast 11 km an … Dieser Abstand wird sich mit jedem Kilometer erhöhen. Irgendwann wird die Differenz 1,3 km sein, dann 1,5, schließlich 1,8 km und im Ziel sogar volle 2 km. Des Rätsels Lösung? … dazu später mehr.

    Catwoman überholt mich, Halle Berry zum Verwechseln ähnlich. Wie geht das? Wie macht die das? Ich robbe schon nach 10 km fast auf dem Zahnfleisch, obwohl ich mittlerweile unverkleidet bin (die Maske ist in meiner Tasche verschwunden), und das Mädel läuft im hautengen Lederkostüm mit Peitsche??? Für einen Moment überlege ich, ihr einen Heiratsantrag zu machen.

    Überhaupt ist unfassbar, was man unterwegs so sieht. Eine kleine mollige ältere Frau im Flamenco-Kostüm läuft mit Trippelschritten vor mir; ich hab sie beim ganzen Lauf immer wieder gesehen, zuletzt bei km 37, sie müsste also gefinisht haben. Eine ältere Dame läuft mit Hund; der Hund (ein Huskie) hat eine eigene Startnummer, darunter steht der Name „Le Loup Mechant“ (Der bissige Wolf). Zwei Läufer tragen an einer langen Stange ein Stoffschwein; das Schwein hat eine eigene Startnummer ….
    Ein Django-Verschnitt überholt mich (km 40) im langen Wachsmantel (!!!), dicke Salzränder am Kragen ...

    Wenns nicht so heiß wäre und wenn ich nicht fast am Verdursten wäre, wäre das alles so genial …

    Nach einiger Zeit das nächste Problem. Noch vor Erreichen der HM-Distanz bekomme ich Wadenkrämpfe. Mit dem Wasser bin ich eben auch massig Elektrolyte losgeworden; Salzränder auf der Hose zeugen davon. Ich versuche also, was zu essen: die Verpflegung ist immer die gleiche: Bananen, Orangen, Zuckerwürfel, Salzgebäck und trockener Kuchen. Salzgebäck und Kuchen scheiden bei der Wasserknappheit leider aus, die Zuckerwürfel heb ich mir für die Zeit jenseits der 30 km auf. Also Obst gefuttert, soviel wie reingeht. Nach einiger Zeit liegt mir die Mischung aus Obst und Wasser wie ein Stein im Magen, mir wird etwas übel, das kanns also auch nicht sein. In einem Dorf bietet eine alte Frau geröstete und gesalzene Kichererbsen an, ich greife zu. Mist, ist genau wie Salzgebäck, krümelt den ganzen Mund voll, und ohne Wasser kriegt mans kaum runter.

    Bleiben also nur noch die Salztabletten, die ich dabei habe. 9 Tabletten = 1,5 Gramm Salz = Salzbedarf in einer Stunde. Leider hab ich viel zu wenig Tabletten dabei; jedes Mal, wenn ich ein paar zerkaue, spüre ich kurz danach deutliche Linderung, aber das hält nie lange vor, dann brauch ich wieder neue.

    Bei km 32 sind die Tabletten alle. Seit der HM-Distanz muß ich häufig Gehpausen einlegen, um die Krämpfe zu verhindern. Die Sonne ist mittlerweile so brutal, dass es mir schier den Schädel sprengt. Immer wieder fangen die Fingerspitzen an zu kribbeln, und es wird mir schummrig; ich bin total dehydriert. An einem solchen Punkt haben mir die Streckenposten beim Biberttal-Marathon im Juni nahegelegt, den Lauf abzubrechen; hier gibt es keine Posten, die so was tun, und auch Sanitäter sieht man nur selten.

    Immer wenn die Situation kritisch wird, walke ich also weiter, bis es irgendwo mal wieder Wasser gibt. Die Wasserflasche schleppe ich immer noch mit mir rum, meistens leer, selten voll. Wenn die Fingerspitzen kribbeln, trinke ich, was ich gerade habe; ich weiß dann zwar nie, wann es wieder was gibt, aber es geht mir zumindest für den Moment besser.

    In den Schlossparks, die wir durchqueren, liegen abseits der Strecke im Schatten mehr und mehr Läufer; die meisten versuchen, ihrer Krämpfe Herr zu werden. Irgendwann kommt auch mal ein Massagezelt; die Leute stehen Schlange davor.

    Jenseits der 30 km gibt es dann die berühmten Leckereien: Austern, Bayonner Schinken, Entrecote und vieles mehr. Merkwürdig: Wie hatte ich mich darauf gefreut, und jetzt? Keinerlei Interesse mehr, aber wirklich keinerlei. Nur noch weiter, endlich ankommen, irgendwie. An sich liege ich noch gut in der Zeit, die 6:30 könnten noch zu schaffen sein.

    Laut Forerunner passiere ich die 42,2 km bei 6:15, das Dumme ist bloß: Ich hab gerade erst das 40 km Schild passiert, also noch 2 km vor mir! In einer letzten großen Aufwallung versuche ich, noch mal alles zu geben, da passiert es: Krämpfe in beiden Oberschenkeln und in den Waden. Selbst Gehen wird zur Strapaze, es ist fast nichts mehr drin. Zum Glück gibt es doch noch mal Wasser, das hilft ein wenig, Vorsichtig gehe ich weiter, schaffe es in der Zielgerade noch, mit staksigen Schritten durchs Zieltor zu laufen und für die Fotografen eine halbwegs passable Figur zu machen, dann ist es endlich – ENDLICH – vorbei! In 6:35 hab ich’s geschafft, und zwar nicht nur 42,2 km, sondern 44,2.

    Ich stolpere weiter, laß mir wie in Trance die Medaille verpassen, bekomme einen Marathon-Rucksack, eine Flasche Medoc in einer Holzkiste, ein paar Duschlatschen …. Tangiert mich alles nicht, ich will nur noch weg.

    Meine Freundin kommt mir entgegen, ich fall ihr um den Hals, teils weil ich froh bin, sie zu sehen, teils weil ich mich kaum noch aufrecht halten kann. Wir holen meine Klamotten, ich dusche schnell, dann nix wie ab, zurück ins Hotel.

    Im Auto bekomme ich Schüttelfrost, der immer schlimmer wird; im Hotel lege ich mich mit den dicksten Klamotten, die ich dabei habe, ins Bett und decke mich mit allem zu, was zur Verfügung steht. Ich friere wie ein Schneider, meine Beine krampfen bei jedem Versuch, mich zu bewegen. Erst nachdem ich etwas gegessen und viel getrunken habe, lassen die Beschwerden nach. Die nächsten beiden Nächte sind allerdings immer noch sehr unangenehm, da mir bei jedem Versuch, mich im Bett umzudrehen, sofort Krämpfe durch die Beine schießen.


    Epilog 1:

    Wie hieß es früher mal in einer Kinderserie (war das nicht die Sendung mit der Maus?): Kinners, dürft Ihr nicht machen, ist einfach zu gefährlich.

    Eigentlich war es unter den gegebenen Umständen schwachsinnig, diesen Marathon zu finishen, das ist mir klar, und da brauch ich auch keine Klugscheißerei. Mein Zustand, speziell gegen Ende, war schlicht lebensbedrohlich: Dehydriert und mit einem mehr als kritischen Elektrolytpegel hätte ich eigentlich abbrechen müssen, so wie ich es beim Biberttalmarathon unter identischen Umständen gemacht habe. Ich kann bei Hitze keine langen Distanzen laufen, das ist nun mal so, und wenn’s nix zu trinken gibt schon gar nicht.
    Ich glaube, ich hab das Ding nur deshalb bis zum bitteren Ende durchgezogen, weil’s eben DER MEDOC ist, und wer bricht den schon ab?

    Hmmm – ehrlichgesagt glaube ich mittlerweile, dass den sogar recht viele abbrechen. Von 8000 Startern sind auch diesmal wieder nur 7108 ins Ziel gekommen. Ok, ok, einige Startnummern sind aufgekauft worden, um sie zu verticken, und dürften dabei sicher nicht umgesetzt worden sein (wer startet schon unter falschem Namen?), aber ich denke mal, das Gros der fast 900 Startnummern sind wirklich Abbrecher.

    Man kann den Medoc-Marathon IMHO auf zwei Arten angehen:
    Entweder man geht ihn als „richtigen“ Marathon an, startet an der Spitze des Starterfelds und finisht ihn dann in 2:20 oder so. Denn Suff hat man dann nicht während des Laufs, sondern hinten nach (der Sieger wird schließlich in Wein aufgewogen).
    Oder man geht ihn als „just for fun“ an und genießt ihn, dann muß man aber auch gegebenenfalls in kauf nehmen, ihn abzubrechen (wie ich es besser hätte tun sollen) oder in >>> 7:30 anzukommen.

    Ungeachtet aller Widrigkeiten fand ich trotzdem, dass es eine tolle Veranstaltung war, und ich bereue es nicht, teilgenommen und meine Gesundheit aufs Spiel gesetzt zu haben. Es war mein härtester Marathon bisher, eine fantastische Erfahrung, die ich nicht missen möchte, und natürlich auch eine Lehre fürs nächste Mal. Richtig gelesen, ich möchte nicht ausschließen, dass ich „den Medoc“ noch mal laufe --- ich hab mit dem Sch***kerl schließlich noch ne Rechnung offen :D

    Bei meinem nächsten Versuch pfeif ich auf den „Marathon“; ich starte in Verkleidung, und wenn ich merke, dass es sich genauso entwickelt wie bei diesem, leg ich mich erstmal ein halbes Stündchen in den Schatten, kürze dann an der nächstbesten Stelle einfach ab und nehme auf den letzten Kilometern alle Fressereien mit, die es gibt. Dann komm ich vielleicht erst nach 8:00 an, bin auf jeden Fall disqualifiziert, hab aber wenigstens meinen Spaß gehabt. Alleine das Drum und Dran ist es wert!

    Epilog 2:

    Wie kommt es eigentlich zu den 44,2 km?

    Gute Frage, war auch gar nicht so einfach zu lösen. In der Ausschreibung steht dazu nirgendwo was, nicht mal auf dem Streckenplan.
    Wenn man sich allerdings die Detailkarte des Startbereichs ansieht, stellt man fest, dass ab dem Startportal eine 1300 Meter lange Strecke als „Echauffement“ gekennzeichnet ist, also Aufwärmstrecke. Die lassen einen also am Startportal starten, dass aber der eigentliche Startpunkt, ab dem gezählt wird, erst 1,3 km weiter ist, wird ein bisschen unter den Teppich gekehrt …
    Peters Forerunner hat übrigens fast den gleichen Wert angezeigt, 44,08 km oder so ähnlich, also sind aus den 1,3 km zum Aufwärmen letztendlich doch fast 2 km geworden … C’est la vie!

    Epilog 3:

    Wer ungeachtet meines Berichts Lust hat, beim Médoc 2007 mitzulaufen, der sollte sich beeilen und seine Bewerbungsunterlagen anfordern - wenns nicht sogar schon zu spät ist ... :wink:

    Gute Nacht, Herrschaften! :french:

    Bernd

    .
  • das mit den krämpfen und dem schüttelfrost erinnert ich irgendwie an tg...
    ansonsten alle achtung, dass du da nich ins nächste fässchen gehüpft bist!!!
  • Abgefahren... :respekt: :respekt: :respekt:

    Wer will findet Wege, wer nicht will, der findet Ausreden

  • Wann ist das Ding? Karin und ich wollen nach den französischen Schulferien (September) wieder mit dem Rad in die Bretagne, diesmal aber weiter nach Süden an der Atlantikküste entlang. Das könnte man glatt kombinieren. Gibt es schon konkrete Pläne vom Forum? Ich glaube wir müssten uns dann etwas tummeln.


    PS: Super Bericht. So was lese ich gerne!

    Gruß vom Jimmi
  • 9.9 lese ich gerade. Ich druck den Bereicht mal aus und gebe Ihn Karin zum Lesen.

    Schaun mer mal
  • @ Jimmi

    Kuck mal HIER... :mrgreen:

    Wer will findet Wege, wer nicht will, der findet Ausreden

  • Wiegesagt: Wenn Ihr mitlaufen wollt, haltet Euch ran! Ihr müßt über die Website erstmal Eure Meldeunterlagen beantragen (von online-Registrierung will man im Medoc immer noch nichts wissen).
    Bis wann man das tun kann, weiß ich nicht, aber irgendwann ist da quasi "Einsendeschluß", das hängt wahrscheinlich davon ab, wann man ungefähr 8000 Starter plus "Sicherheitszuschlag" beisammen hat.
    Ob man auch wirklich Meldeunterlagen bekommt, erfährt man Ende Januar; wenn sie dann da sind, ist alles ok, wenn nicht, hat man leider Pech gehabt.

    Ihr müßt die Unterlagen wirklich sehr sorgfältig (!!!) ausfüllen und zusammen mit einem aktuellen ärztlichen Attest (!!!) einschicken und die Meldegebühr zahlen; wenn ich mich richtig erinnere, ging das über Kreditkarte. Falsch oder unvollständig ausgefüllte Unterlagen werden natürlich nicht zur Korrektur zurückgeschickt, die fliegen gleich raus. Dito für fehlendes Attest oder fehlende Kreditkartendaten.

    Wenn Ihr alles richtig gemacht habt und eine gute Portion Glück habt, bekommt Ihr einen Startplatz, aber das erfahrt Ihr erst ab Mitte März ...

    Noch ein Hinweis: Offiziell galt zwar ein Zielschluß von 6:30, aber mir ist aufgefallen, daß die sogar bis 7:30 noch gewertet haben ... Je nach Wetter und Getränkeversorgungslage braucht man die aber auch - siehe oben!

    .
  • Und noch'n Tipp: Nich als Asterix & Obelix gehen, das tun dort nämlich eh schon viele. Originalität zeigen! (Herrgottnochmal, was beiß ich mir nachträglich in den A**** ...)


    .
  • @ endorphinjunkie,

    absolut geiler Bericht und Congratulations zum Finish.
    Ich habe echt mitgelitten :cry:
    Glaube mir, ich weiß wovon ich rede :lol: :lol: :lol:

    @ all,
    wenn der Medoc richtig voll wird, kann das nur bedeuten, da ist ein Markt!

    :bindafür: :bindafür: :bindafür: Mal über ein CaBa-Race/Event nachgedacht? :bindafür: :bindafür: :bindafür: :bindafür:

    Ist doch eigentlich längst überfällig!

    Captn
  • Hallo Endorphinjunkie,

    jetzt kann ich mir auch vorstellen, woher Du Deinen Nickname hast.
    So eine Plackerei kann man ja nur unter Endorphineinfluss überleben....

    Bei dem Bericht hab ich ehrlich gesagt die Lust an einer Teilnahme verloren. Ich kann Hitze überhaupt nicht ab. Darum laufe ich doch meine Marathons immer im Winter....

    Hab mir aber trotzdem mal deren Seite angeschaut und von 2007 aber nix gefunden. Alles noch von 2006. Habt Ihr auch mal versucht.
    Ich meine: die Stories von dem geilen Wein reizen mich doch ein wenig....
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