<a rel="nofollow">Justin-Hubertus</a> schrieb:
Ja, aber erstens muß ich aktiv werden. Üblicherweise muß aktiv werden bzw. Nachweise erbringen, wer etwas will.
Wenn ich Telepolis richtig verstehe, scheint man zusätzlich bürokratische und technische Hürden einzubauen. Wieder einmal ist gut gemeint das Gegenteil von gut gemacht. Und bei der Widerspruchsregelung muß ich mich mit all diesen Hürden auseinandersetzen. Die wollen doch was von mir, dann sollen die auch den Aufwand haben, der nötig ist, sich meine Zustimmung zu holen.
Zweitens: Es wird Druck aufgebaut. Man soll ja auch Angehörige informieren und hat zu befürchten, daß man sich rechtfertigen muß. Ich denke, genau das ist der Grund für die Widerspruchsregelung. So bekommt man mehr Spender/innen.
Drittens gab es verschiedene Unregelmäßigkeiten bei Transplantationen. Ärzte haben Befunde optimiert, damit ihre Patienten auf der Warteliste weiter nach vorne kommen und es gab auch mal eine Statistik, daß Privatpatienten häufiger Organe bekommen als Kassenpatienten. Das alles ging nur kurz durch die Presse, wurde aber nicht öffentlich aufgeklärt. Das macht auf mich den Eindruck, als solle verschleiert werden, daß Geld eine Rolle spielt.
Organtransplantationen scheinen ein großes Geschäft zu sein. Und das ist unmoralisch.
Also Die sind erst mal schwerkranke Leute, die hoffen ihr Leben mit einem Spenderorgan, ein paar Jahre verlänger zu können. Die tun sich daher schwer proaktiv Aufwand zu treiben. Soweit ich den aktuellen Stand mitbekommen habe, so soll die Bereitschaft zur Organspende bei der Neuausstellung von Ausweisdokumenten abgefragt werden. Also ist das "Argument" es könnte zu Verwechslungen kommen Bullshit. So viele Itchybods aus dem Weindorf in BW, geboren am 30.2.1999 gibt es nun auch wieder nicht. Es ist halt ein Kreuzchen mehr zu machen. Das sollte keinen überfordern.
Schon jetzt soll man eigentlich seine Angehörigen über eine Spendeabsicht informieren. Die fällen letztlich die Entscheidung und können sich (meines Wissens) sogar über einen Organspendeausweis hinweg setzen. Wer keine Eier hat, seinen Angehörigen zu sagen, dass man nicht spenden will, hat halt Pech gehabt. Bzw. eigentlich ist das neue Gesetz dann ja wieder gut. Man kann ja schließlich still und leise widersprechen.
Natürlich geht es darum mehr Spender zu bekommen. Das liegt daran, dass zu viele Leute auf Wartelisten sterben!
Ja es gab Mauscheleien. Die betrafen aber nicht die Seite der Organ Entnahme. Im Ergebnis wurde ein Menschenleben gerettet oder zumindest verlängert. In Einzelfällen gab es vielleicht jemand, der es dringender gebraucht hätte. Das ändert für mich nichts an der Entscheidung zur Organspende.
Was das Geschäft angeht: Wir sind uns einig, dass niemand "aus Spaß" ein Organ transplantiert wird oder? Ist es unmoralisch, dass Ärzte und Schwestern Gehalt für Ihre Tätigkeit bekommen?
Ich habe halt folgenden Gedanken dazu: Wenn es mich mal erwischt, und der Hirntod festgestellt ist, dann brauche ich meine Organe doch eh nicht mehr. Anstatt, dass die Organe verbrannt werden oder verfaulen, können die doch noch ein paar Jahre ihren Dienst tun. Das kann mir dann doch egal sein. Da ist mir auch egal, wo die ihren Dienst tun.
Gut vielleicht muss ich in Walhalla ein paar Jahre auf die Leber warten, was echt nerven kann. Aber dann vergnüge ich mich halt mit den Walküren, bis die Leber nachkommt.